AUSSTELLUNG„Indianische Moderne – Kunst aus Nordamerika“ : Der schmale Grat

Das Ethnologische Museum in Dahlem bietet die seltene Gelegenheit, eine umfassende Schau mit Gemälden und Skulpturen von indianischen Künstlern zu sehen, die rund 160 Werke stammen allesamt aus der eigenen Sammlung des Museums, die seit 1975 aufgebaut und seitdem von Kurator Peter Bolz, einem Experten auf dem Gebiet, kontinuierlich erweitert wird. Was wirklich neu daran ist: Es geht nicht um traditionelle Artefakte, sondern um zeitgenössische Kunstwerke von Indianern, die in Europas Museen quasi keine Rolle spielen.

Ob Maler wie David Bradley (Foto) oder Fritz Scholder, die gegen Indianerstereotype und Klischees anmalen, Pop-Art-Maler und Kunstprofessor George Longfish oder Virginia Stroud mit ihren „ledger paintings“, traditioneller Kontobuch-Malerei, – indianische Künstler bewegen sich stets auf dem schmalen Grat zwischen dem Wunsch, als autonome Künstler anerkannt zu werden, und dem, Sichtbarkeit für die eigene Kultur einzufordern. „Jeder Indianer, ob er in den USA oder in Kanada lebt, ist sich bewusst, dass er einer ethnischen Minderheit angehört, die seit 500 Jahren von den europäischen Kolonisten vertrieben, nahezu ausgerottet und schließlich zwangszivilisiert wurde. Und dieses Bewusstsein schlägt sich direkt oder indirekt auch in indianischer Kunst nieder“, schreiben die Kuratoren im Katalog der Ausstellung. Indianische Kunst ist also immer auch ein politischer Akt, allein deshalb, weil sie nicht von Weißen gemacht ist. Im Ethnologischen Museum muss man sich wiederum die Frage gefallen lasen, ob es nun eine Kunstausstellung oder eine ethnologische Ausstellung ist.

Birgit Rieger

Ethnologisches Museum, Sa 3.3. bis So 28.10, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, 6/3 €

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