AUSSTELLUNGJennifer Bornstein : Jetzt 30 Tage testen!

Wenn Jennifer Bornstein die Wortfetzen, die sie in ihrer Kunst verwendet, in Deutschland zusammengetragen hätte, dann hätten sie sicherlich „Geiz ist geil!“ oder „Superpreis-Hammer!“ gelautet, Sprüche, die einem in Werbeprospekten um die Ohren fliegen. Die Amerikanerin Bornstein, die im vergangenen Jahr ein DAAD-Stipendium absolvierte und nun, wie so viele Stipendiaten vor ihr, in Berlin bleibt, vermischt in ihrer aktuellen Ausstellung Eindrücke aus unterschiedlichen Ländern: Fundstücke aus Los Angeles, Berlin oder Warschau werden zu einer bühnenhaften Wandinstallation verwoben, in die sie auch den Fußboden der Galerie einbezieht; sie ließ mit einem Presslufthammer ein Motiv in die Fliesen meißeln und fertigte daraus einen Druck. In Warschau erlebte Bornstein, die selbst jüdische Wurzeln hat, Jiddisch als im Aussterben begriffene Alltagssprache und ließ sich zu einem Radiotext inspirieren, der – ins Jiddische übersetzt – Bilder aus Bornsteins Berliner Fotosammlung beschreibt.

Bornstein ist eine Jägerin, die den Spuren des Alltäglichen hinterherjagt: Sprache, Bildern, Drucktechniken, daraus erzeugt sie wiederum neue, verwirrende Spuren, die nicht mehr eindeutig zu interpretieren sind. Bornstein ist von der Tatsache fasziniert, dass das, was wir zu sehen glauben, zu 80 Prozent aus dem besteht, was in unserer Erinnerung bereits gespeichert ist. Das haben Kunsthistoriker schon für die Malerei früherer Jahrzehnte beschrieben. Selbst Pleinairmaler orientierten sich weniger an dem, was sie sahen, etwa eine Kathedrale oder einen Wald, sondern daran, wie sie sich eine Kathedrale oder einen Wald vorstellten. Superfake! Einmalige Gelegenheit! Birgit Rieger

DAAD-Galerie, Fr 20.4. ab 19 Uhr Eröffnung,

bis Sa 26.5., Mo-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei

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