AUSSTELLUNGJohannes Grützke : Schöner wird’s nicht

Wer eine besinnliche Ausstellung für die Feiertage sucht, ist bei Johannes Grützke sicher falsch. Wer sich reiben will, an Bildern und Themen, an nacktem Fleisch, natürlich nur gemalt, ist goldrichtig. Grützke, 75 Jahre alt, ein Allroundkünstler, der nicht nur malt, sondern auch schreibt, dichtet, musiziert und schauspielert, hat 2012 den Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin erhalten. Seit sechs Jahrzehnten ist er äußerst produktiv.

Grützke malt Menschen und im Prinzip immer wieder sich selbst, in unfeinen Posen, fleischlich, oft nackt. Er liebt es, sich Szenen zu überlegen, die auf kunsthistorische Sujets und bekannte Bilder von Caravaggio bis Max Beckmann Bezug nehmen, am Ende aber etwas Eigenes darstellen. Eine Mutter, die ständig jünger wird, umgeben von einer Schar von Kindern. Oder ein Bild, das Johann Sebastian Bach zeigt, wie er gegen die Kakofonie seiner lärmenden Nachkommenschaft anmusiziert. Grützke steht in der Tradition des Berliner Realismus, wie Otto Dix oder George Grosz stellt er die Abgründe des Berliner Großstadtlebens dar. Schöner wird’s nicht. Im Gegensatz zu ihnen verdreht Grützke aber gern die Tatsachen: Auch das wäre möglich gewesen, scheint er zu sagen. Die vielen berühmten Zeitgenossen, die sich von ihm porträtieren ließen, etwa Peter Zadek oder Günter Kunert, schätzten wohl diese Mischung aus Ehrlichkeit und Fantasterei. „Ich male nur, um etwas über mich selbst zu erfahren. Indem ich mich spiegele, spiegelt sich die ganze Welt in meinem Spiegel“, sagt Grützke. In dem Fall ist Malerei auch Therapie. Birgit Rieger

Ephraim Palais, bis So 17.2.,

Di-So 10-18, Mi 12-20 Uhr, 31.12. geschl., 1.1. 14-18 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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