AUSSTELLUNGKader Attia : Wer hat’s erfunden?

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der algerisch-französische Künstler Kader Attia mit der Idee der Reparatur. Dabei taucht er tief in die Kolonialgeschichte ein und zeigt mit assoziativen Installationen, in denen Skulpturen, Bücher und Fotos wie in einem riesigen Archiv nebeneinander präsentiert werden, die unterschiedlichen Perspektiven des Westens und der afrikanischen Länder auf. Nachhaltigen Eindruck hinterließ Attias Beitrag zur Documenta 2012. Der Künstler stellte Fotos von kriegsversehrten Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg Abbildungen von Menschen afrikanischer Stämme gegenüber. Er zeigt, dass Konzepte von Schönheit höchst unterschiedlich sein können, und der Zuschauer ahnte bereits, dass der Begriff der Wiederherstellung und Reparatur im Verhältnis zwischen Europa und Afrika noch viele andere Dimensionen hat.

Es ist der Initiative der neuen Chefkuratorin der Kunstwerke, Ellen Blumenstein, zu verdanken, dass Attia seine Documenta-Installation nun in Berlin weiterentwickelt hat. Die Ausstellung „Reparatur. 5 Akte“ enthält als Nukleus wieder einen Raum mit Soldatenfotos und „reparierten Gesichtern“. Doch Attia erweitert jetzt den Blick. „Nach meinem Verständnis basiert konzeptuell alles auf Reparaturen: von der Kultur hin zur Natur, vom Politischen zum Metaphysischen“, sagt er. In der Ausstellung streift er Themen wie Kunst, Musik oder Natur. Er präsentiert Schallplattencover afrikanischer Bands als Ausdruck des vielschichtigen Kulturtransfers von Afrika nach Amerika und wieder zurück. Oder er zeigt ausgestopfte Wildtiere neben afrikanischen Tiermasken und erzählt vom unterschiedlichen Verhältnis zum Tier. Birgit Rieger

KW Insitute for Contemporary Art, bis So 25.8., Mi-Mo 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr, 6/4 €

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