AUSSTELLUNGKollwitz-Preis für Mona Hatoum : Der Globus als Gefängnis

Eine Art Heimkommen ist auch das: die Aufnahme in den Künstlerkreis der Akademie der Künste und die Auszeichnung mit dem mit 12 000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preis. Mona Hatoum, die libanesische Künstlerin mit palästinensischer Abstammung und internationalem Werdegang, ist dementsprechend erfreut – zumal sie seit 2003 in Berlin eine Art zweiter Heimat gefunden hat.

In der Akademie der Künste am Pariser Platz zeigt sie anlässlich der Preisverleihung eine Art „Best of“ der letzten Jahre: den eisernen Paravent aus einer Küchenreibe, die Gebetskette aus Kanonenkugeln, den Globus aus Gefängnisstäben, den Käfig aus Stacheldraht. Immer das gleiche System: universelle Formen, abstrakte Zeichen, geformt aus höchst konkreten bedrohlichen Materialien. Wie aus Alltagsgegenständen Waffen werden, hat Mona Hatoum immer wieder vorgeführt, am eindringlichsten wohl in ihrer Documenta-Arbeit „Homebound“, in der sie Küchengeräte unter Strom setzt. Die Interpretation, politsch, feministisch, überlässt sie dem Betrachter. Das macht die enorme Eingängigkeit ihrer Arbeiten aus – und ihre Kraft. Wie schreibt die aus Lothar Böhme, Dieter Goltzsche und Robert Kudielka bestende Jury in ihrer Begründung: „Nicht die Entfremdung vom Eigentlichen, geschweige denn der Verlust von Heimat ist Mona Hatoums Thema, sondern die ebenso verstörende wie die Sinne schärfende Empfindung, dass hinter der Fassade der eingerichteten Welt nach wie vor – und vielleicht mehr denn je – die rohe Unwirtlichkeit lauert.“ Christina Tilmann

Akademie der Künste am Pariser Platz,

bis So 5.9., Di-So 11-20 Uhr, Eintritt frei.

Zur Langen Nacht der Museen am Sa 28.8.

gibt es ein Rahmenprogramm.

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