AUSSTELLUNG„Künstlerinnen im Dialog“ : Frauen in Männerberufen

Allen Widrigkeiten zum Trotz – diese Frauen haben Karriere gemacht. Die meisten stammen aus einem jüdisch-bürgerlichen Milieu, waren nach dem Ersten Weltkrieg als Malerinnen oder Fotografinnen aktiv, viele hatten mit Verfolgung und Emigration zu kämpfen, dennoch prägten sie die Kunst ihrer Zeit. Und noch eine Gemeinsamkeit haben Lotte Jacobi, Eva Besnyö, Lotte Laserstein, Ilse Heller-Lazard, Käthe Loewenthal, Marianne Breslauer und weitere Künstlerinnen, denen das Verborgene Museum eine Ausstellung widmet: Sie alle erlebten ihre künstlerische Erweckung in Berlin und waren Teil einer Künstlerszene, die den Aufbruch in die Moderne prägte. Man experimentierte mit Linien und Flächen, mit Schatten, Blickwinkeln, Fluchtpunkten, Porträtabbildungen und scheinbar nebensächlichen Details, Neues Sehen und Neue Sachlichkeit waren die Stichworte, die die Kunstkritik dafür fand.

Lotte Jacobi, die ein Fotoatelier in Charlottenburg betrieb, nach Amerika emigrierte und dort ihre Karriere fortsetzte, porträtierte Karl Valentin, sich auf dem Kopf von Liesl Karlstadt abstützend, Albert Einstein in Lederjacke und andere Intellektuelle in nüchterner, genau beobachtender Art, die damals neu war. Ebenso verfuhr Éva Besnyö, die 1932 nach Amsterdam floh, mit sozialkritischen Motiven, Straßenszenen, Baustellen und Architektur. Von deren emanzipatorischem Frauenbild war Käthe Buchler weit entfernt, als sie Frauen ablichtete, die während des Ersten Weltkrieges notgedrungen in Männerberufen arbeiteten. Die Art ihres fotografischen Blicks hingegen war sehr modern.Birgit Rieger

Das Verborgene Museum, Do 22.8. bis So 6.10., Do/Fr 15-19 Uhr, Sa/So 12-16 Uhr

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