AUSSTELLUNG„Modell Bauhaus“ : Utopie und Strenge

Christian Schröder

Revolutionen beginnen mit Pathos. Als im März 1919 in Weimar das Bauhaus gegründet wurde, machten sich Enthusiasten an den Aufbau einer neuen, besseren Welt. „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens“, heißt es im von Walter Gropius verfassten Gründungsmanifest.

Das Bauhaus entstand an einem Nullpunkt der deutschen Geschichte, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, und existierte genauso lange wie die Weimarer Republik. 1933 haben die Nationalsozialisten es aufgelöst. Das Bauhaus wurde Opfer von Totalitaristen, aber in seinem „neuen kommenden Glauben“ steckte auch ein totalitärer Kern. Die avantgardistischen Ideen führten zum genormten Funktionalismus der Großsiedlungen am Stadtrand. Zum 90-jährigen Gründungsjubiläum bietet die Ausstellung „Modell Bauhaus“ knapp 1000 Exponate auf 2000 Quadratmetern auf, um das Bauhaus in voller Pracht, aber auch in seiner Widersprüchlichkeit zu präsentieren. Gezeigt werden Meisterwerke wie Walter Gropius’ Modell zum Denkmal der Märzgefallenen in Weimar oder die Vorzeichnung zu Oskar Schlemmers „Bauhaustreppen“-Fresko, aber auch Kleider, Wandteppiche, Bucheinbände von Schülern. Heute ist das Bauhaus zum Synonym einer streng funktionalistischen Moderne geworden. Die historische Nahsicht zeigt: In Wirklichkeit war es sehr pluralistisch. Christian Schröder

Martin-Gropius-Bau, bis Sa 4.10., tägl. 10-20 Uhr, 10/8 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben