AUSSTELLUNGRoey Heifetz „The Teacher’s Nap“ : Spieglein, Spieglein

Roey Heifetz beobachtet gern, das gibt er offen zu. Wie tragen Menschen ihre Fingernägel, welche Falten wirft der Hals, und die Haare, vor allem die Haare interessieren den Künstler. Eine betonierte Haarwolke als Insignium der Macht kann zum Markenzeichen werden, wie bei der jüngst verstorbenen Maggie Thatcher. Heifetz speichert solche Details, nimmt sie mit in sein Atelier im Künstlerhaus Bethanien, wo er Stipendiat ist. Dort bringt er die gesammelten Eindrücke in vielen tausend Bleistiftstrichen aufs Papier. Unterschiedliche Charaktere entstehen, Heifetz nennt sie „Autoritäten“.

In der Ausstellung hängen die Autoritäten in der Raummitte, zum Kreis angeordnet, den der Betrachter durch eine Lücke betreten kann. Da ist „Sehnsucht“, ein Galan mit Schweinenase, oder die „Gastgeberin“, Heifetz’ Hauptfigur mit voluminösem, dreifach verschraubtem Dutt, eingefallenem Gesicht und Schultern aus Sehnen und Fleisch. Damen über 50 seien besonders interessant, sagt der Künstler aus Tel Aviv. Hier kämpft der gestaltete Körper gegen die Schwerkraft des Fleisches. Heifetz arbeitet mit Bleistift, aber auch mit Grafit- und Steinpulver, so entstehen Flecken, schwarze Schluchten und pilzige Beläge, die seinen Zeichnungen irritierende Dynamik verleihen. Heifetz ist fasziniert von der Weimarer Republik. Die maskenhaften Großstädter hat aus seiner Sicht niemand so gut aufs Papier gebracht wie Otto Dix und George Grosz. Der Mensch, der aus sich selbst herausquillt, daran wird man sich in Heifetz’ Blättern erinnern, vielleicht schon beim nächsten Blick in den Spiegel. Birgit Rieger

Künstlerhaus Bethanien, Do 11.4., 19 Uhr, bis So 5.5., Di-So 14-19 Uhr, Eintritt frei

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