AUSSTELLUNG„Selected Artists 2011“ : Fischen im Trüben

Es kommt vor, dass in der Bildenden Kunst Methoden angewandt werden, die im Alltag noch nicht akzeptiert sind. Künstler unterschiedlicher Provenienz lassen sich in letzter Zeit etwa von der Steinerschen Antroposophie inspirieren oder nennen die Malerin und Spiritistin Hilma af Klint als Vorbild. Sie nutzen die Instinkte von Tieren oder den Zufall, um Bildinhalte zu generieren. Und wer weiß, vielleicht ist die Zusammenarbeit zwischen Geistern und Menschen auch bald außerhalb der Kunst akzeptiert – etwa, wenn in Krisenzeiten keiner mehr Verantwortung übernehmen mag.

Es lohnt sich also, die Kunst der Senatsstipendiaten, die aus mehr als 200 Bewerbern ausgewählt wurden und außer der Tatsache, dass sie in Berlin leben, nicht viel gemeinsam haben, auf interessante Strategien abzuklopfen. Womit beschäftigen sie sich, wenn sie tun können, was sie möchten? Nevin Aladag fuhr zum Besipiel mit einem Forschungsschiff auf den Bodensee hinaus und nahm Wasserproben im deutsch-österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet (Foto). Sie thematisiert das Paradox von geografischen und kulturellen Grenzen, zumal im fließenden Gewässer. Fiete Stolte beobachtete den wechselnden Lichteinfall in seine Wohnung und entwickelte eine Art Sonnenuhr. Benedikt Terwiel macht Experimente mit den Begrenzungen des Gesichtsfelds. Es gibt also ein Interesse an wissenschaftlichen Methoden, kombiniert mit einer persönlichen, subjektiven Sicht. Auch das ist wohl eine allgemeine Sehnsucht unserer Zeit: selber zu beobachten und eigene Messungen anzustellen, statt glauben zu müssen, was man nicht nachvollziehen kann.

Birgit Rieger

NGBK, Sa 21.1. bis So 12.2., So-Mi 12-19 Uhr, Do-Sa 12-20 Uhr, Eintritt frei

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