AUSSTELLUNG„Soma“ von Carsten Höller : Tiere um uns

Für Verrücktheiten im Kunstbetrieb war Carsten Höller schon immer gut: Auf der Documenta X baute er 1997 mit Rosemarie Trockel ein „Haus für Schweine und Menschen“, für die Berliner Kunst- Werke konstruierte er im Jahr darauf eine stählerne Rutsche, auf der man aus dem zweiten Geschoss in den Hof gleiten konnte. Doch dem studierten Phytopathologen, der über die Geruchskommunikation zwischen Insekten habilitierte, ist es ernst damit. Im Museum steckt er statt Tiere nur Menschen ins Laboratorium und lässt sie als freiwillige Probanden selbst herausfinden, wodurch Glück entsteht, was Gefühle, körperliche Empfindungen freisetzt.

Zum Großexperiment setzt der 49-Jährige nun im Hamburger Bahnhof an mit seinem Ausstellungsprojekt „Soma“. Der Name bezeichnet einen vermutlich aus Fliegenpilzen gebrauten Trank, den sich indogermanische Nomaden im zweiten Jahrtausend vor Christus verabreichten, um im Rausch dem Göttlichen näherzukommen. Das klingt nach dem rechten Stoff für Professor Höller, der den Menschen des 21. Jahrhundert mit einem Museumstrip in höhere Sphären katapultieren will. Der Besucher soll jedoch vor allem staunen in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs, der längs in zwei Hälften geteilt ist: auf der einen Seite Rentiere, Kanarienvögel, Mäuse, auf der anderen die Zweibeiner. In der Mitte erhebt sich eine pilzförmige Plattform als „schwebendes Hotelzimmer“, das für Übernachtungen gebucht werden kann (1000 Euro pro Nacht). Ein Traum wird wahr damit, die Nacht im Museum. Nur sind diesmal nicht nur die Meisterwerke der Kunstgeschichte da, sondern auch Nager und Piepmätze. Nicola Kuhn

Hamburger Bahnhof, Fr 5.11. bis 6. 2.2011,

Di-Fr 10-18, Sa 11-20, So 11-18 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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