AUSSTELLUNG„Von G.I. Blues zu G.I. Disco“ : Lange Nächte, heiße Musik

Mitte der sechziger Jahre erlebte die Band The Monks eine kurze, steile Karriere. Die musikalische Formation, bestehend aus fünf ehemaligen GIs, die in der Nähe von Frankfurt am Main stationiert waren, stellten mit ihren Mönchs-Tonsuren, den schwarzen Klamotten, den anstelle von Krawatten um den Hals geschlungenen Stricken und ihrem exzentrischen Garagen-Protopunk das Gegenmodell zu den massenkompatiblen Beatles dar. Die Monks oder der in Mannheim stationierte Soulsänger Sydney Youngblood sind Gegenstand einer Sonderausstellung im Alliiertenmuseum, die anhand von Musik, Fotos, Videos, Plakaten und Objekten wie einer Original-Feldjacke von Elvis, aufzeigt, welchen Einfluss amerikanische GIs, deren Musik und Lifestyle auf die deutsche Jugendkultur seit 1945 ausübten.

Über den Soldatensender AFN, der im August 1945 seinen Betrieb aufnahm, verbreiteten sich die musikalischen Trends aus Übersee rasch – von Jazz und Rock’n’Roll bis zu Disco und Hip-Hop. Vor allem im amerikanischen Sektor Berlins entstanden Clubs, Bars und Tanzlokale, in denen sich die heimische Bevölkerung Tanzmoves von den Soldaten abguckte. Im Jazzclub „Badewanne“ in der Nürnberger Straße drängten sich Gäste aus aller Welt, im „Resi“ flirteten Offiziere per Tischtelefon. 1956 eröffnete Rolf Eden seinen ersten Nachtclub, den „Eden Saloon“, am Kurfürstendamm. Wie er den voll bekam, erzählt er in einem Videobeitrag. Weitere Zeitzeugen-Interviews gibt es mit den Sängerinnen von Silver Convention oder mit Michi Beck von den Fantastischen Vier: Der erzählt, wie ihn die Black Music, die US-DJs in Stuttgarter Clubs auflegten, prägte. Birgit Rieger

Alliiertenmuseum Berlin, Clayallee 135, Zehlendorf, ab Fr 24.5., Di-So 10-18 Uhr, Eintritt frei

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