AUSSTELLUNG„Wagner 2013. Künstlerpositionen“ : Gralsritter im Clinch

Was ist das jedes Mal für eine Aufregung, für ein Blätterrauschen und Deutungsgerangel, wenn für die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth wieder einmal ein bekannter Dramatiker oder ein junger, verrückter Künstler antritt, um sich Wagners düsterer Kompositionen anzunehmen. Wie 2004 Christoph Schlingensief, der „Parsifal“ inszenierte und mit Videoeinspielern und einer „Gerümpelbühne“ schockierte, während das Orchester vom über 90-jährigen Pierre Boulez dirigiert wurde. 2016 wird Jonathan Meese, der böse Bube der bildenden Kunst, den „Parsifal“ inszenieren. Gemalt hat er auch schon dazu (Abb.). Für manche prickelt so eine unerhörte Kombination wie Fremdgehen. Wagner ist großes Drama, auch noch im Jahr seines 200. Geburtstages.

Das weiß auch die Akademie der Künste, deren Mitglied Wagner einmal war. Das Haus startet frühzeitig mit einer Wagner-Hommage, bevor sich das Publikum 2013 vor Jubiläumsevents nicht mehr retten kann. Die Akademie hat 50 Künstler versammelt, die sich an dem großen Komponisten mit der antisemitischen Neigung abgearbeitet haben oder die aktuell noch mit ihm ringen und dies in Gemälden, Installationen oder Veranstaltungen zum Ausdruck bringen. Es treten an: Christian Boltanski und Jean Kalman, Hans Neuenfels, der in Bayreuth den „Lohengrin“ inszenierte, Peter Sloterdijk, Regisseure wie Andreas Homoki oder der Italiener Romeo Castellucci ebenso wie die Künstlergruppe Hold your Horses, die den „Ring des Nibelungen“ unter anderem im Schwimmbecken des Olympiastadions reinszenierte. Alle erklären jeweils in einem Video-Interview, was Wagner ihnen bedeutet. Birgit Rieger

Akademie der Künste Hanseatenweg, Fr 7.12. bis So 17.2., Di-So 11-19 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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