AUSSTELLUNG„Wall Works“ : Die Welt als Bild

Der Maler Franz Ackermann demonstriert in der Berlinischen Galerie gerade eindrücklich, wie raumgreifende Malerei funktioniert: Seine Landschaft aus Hügeln, grellbunter Geometrie und fast traditionellen Tafelbildern läßt den Betrachter Teil eines überschäumenden Kosmos aus Farbe und Form werden. Erfunden hat Ackermann das Wandbild freilich nicht. Menschen malen seit Jahrtausenden auf Felsen und Wände. Im Hamburger Bahnhof ist nun ein Konvolut aus Wandmalereien zu sehen, das der Verein der Freunde der Nationalgalerie für deren Sammlung erworben hat, die Entwürfe stammen von Künstlern wie Daniel Buren, Matt Mullican oder der für ihre geometrischen Abstraktionen bekannten Sarah Morris. Außerdem gibt es neu erschaffene Wandarbeiten von Nasan Tur oder der Malerei-Grenzgängerin Katharina Grosse (Abb.).

Bei Sarah Morris’ Wandmalerei „Rings“ darf man getrost an Olympische Ringe denken (Morris gestaltete ein Poster für die Olympischen Spiele in London) oder an poppiges Design, das Spiel mit der computergenerierten Oberflächenästhetik unserer Städte schwingt bei Morris immer mit. Der in Kapstadt geborene und in Berlin lebende Street-Art-Performer Robin Rhode zeichnet sonst Bilder an die Häuserwände Johannesburgs und tritt dann damit in Interaktion. Sein mit Kreide gezeichnetes Auto, das ohne Räder dasteht, passt aber auch nach Berlin. Hinter der Wandmalerei steckt mehr als das Sprengen akademischer Gattungsgrenzen, sie ist öffentlich, proklamatorisch, verändert im besten Fall für kurze Zeit die Sicht auf die Welt: Romantiker würden sagen, die Welt ist ein großes Bild, an dem alle mitgestalten. Birgit Rieger

Hamburger Bahnhof, bis 31.8.2014, Di/Mi/Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, 14 €, erm. 7 €

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