AUSSTELLUNGZeichnungen und Fotografien von Lyonel Feininger : Der Blick für Alltägliches

Als die Neue Nationalgalerie 1998 eine Retrospektive zu Lyonel Feininger ausrichtete, galt die allein den Gemälden. Feininger, dessen Vater aus Baden emigriert war, pendelte ein Leben lang zwischen Deutschland und den USA, zwischen dem Bauhaus, dem er als Lehrer bis zur Schließung 1933 die Treue hielt, und dem pulsierenden Manhattan. Gewiss war Feininger vor allem Maler, aber die Zeichnung besaß für ihn künstlerisch den gleichen Rang. Und seit Bauhaus-Zeiten auch die Fotografie, ein Medium, das man gemeinhin mit seinem Sohn Andreas verbindet. Das Busch-Reisinger-Museum der Harvard-Universität hat nun aus dem Nachlass von Bill Lieberman ein Konvolut von Zeichnungen und Aquarellen zum Geschenk erhalten.

Daraus zeigt das Kupferstichkabinett eine Auswahl von 77 Blättern, dazu 76 Fotografien. Feininger bediente sich beider Medien, zur Vorbereitung seiner Gemälde wie auch als eigenständige Arbeiten. Was in der Retrospektive von 1998 fehlte, die Gegenüberstellung von Skizzen, Aquarellen, Fotografien und ausgeführten Gemälden, lässt sich jetzt zwar nicht nachholen, aber doch ergänzen, zumal auch vier Gemälde in die Ausstellung eingefügt sind. Besonders überraschend sind die Fotografien. Feininger, der in jungen Jahren als Comiczeichner sein Geld verdiente, bewahrte sich ein Auge für grafische Motive, etwa die Dessauer Meisterhäuser im Schnee oder Sonnenstrahlen, die schräg unter eine Brücke fallen. Aber auch für Alltägliches oder Skurriles. Die Ausstellung im Kupferstichkabinett, die von zwei Katalogen begleitet wird, verspricht eine Erweiterung des Bildes, das wir bislang vom Maler Lyonel Feininger hatten. Bernhard Schulz

Kupferstichkabinett Sa 26.2. bis So 15.5., Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr, 8/4€

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