Auszeichnung : Goldener Bär für Bosnien

Das bosnische Drama "Grbavica" über das Leid der im Balkankrieg vergewaltigten Frauen hat den Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele gewonnen.

Berlin - «Grbavica», benannt nach einem Ortsteil von Sarajevo, ist das Spielfilm-Debüt der Regisseurin Jasmila Zbanic. Mit dieser Wahl setzte die internationale Jury unter Vorsitz der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling auch ein politisches Zeichen. Gleich drei Silberne Bären der 56. Berlinale gingen bei der Verleihung am Samstagabend nach Deutschland.

Als bester Darsteller wurde Moritz Bleibtreu für seine Rolle eines sexbesessenen Lehrers in Oskar Roehlers Romanverfilmung «Elementarteilchen» geehrt. Beste Schauspielerin wurde die Kino- Debütantin Sandra Hüller. Sie spielt die Hauptrolle in Hans-Christian Schmids «Requiem», einem einfühlsamen Film über eine Teufelsaustreibung im Süddeutschland der 70er Jahre.

Ein Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Gesamtleistung ging an den Schauspieler Jürgen Vogel. Er wurde als Hauptdarsteller, Produzent und Co-Autor des Films «Der freie Wille» von Matthias Glasner ausgezeichnet. Vogel spielt in dem umstrittenen Film einen Triebtäter.

Der große Preis der Jury, ein Silberner Bär, wurde zu gleichen Teilen an die iranische Fußballsatire «Offside» (Abseits) von Jafar Panahi und die melancholische Komödie «Eine Soap» von Pernille Fischer Christensen aus Dänemark verliehen. «En Soap» wurde auch zum besten Erstlingsfilm (25.000 Euro) gekürt.

Den Silbernen Bären für die beste Regie erhielten die Michael Winterbottom und Mat Whitecross für ihren Film «The Road to Guantanamo». Als Komponist der besten Filmmusik wurde Peter Kam für seine Arbeit zu dem Film «Isabella» aus Hongkong/China ausgezeichnet.

Der Bären-Gewinner «Grbavica» erzählt die bewegende Geschichte einer Bosnierin, die große Probleme mit ihrer pubertierenden Tochter hat. Die Halbwüchsige fragt unentwegt nach dem abwesenden Vater. Die Mutter aber traut sich nicht, der Tochter zu sagen, dass sie Kind einer Vergewaltigung ist.

Regisseurin Zbanic sagte: «Ich möchte die Gelegenheit nutzen, uns alle daran zu erinnern, dass die Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic nach wie vor unbehelligt in Europa leben.» Diese Menschen, die für die Organisation von Mord, Totschlag und Vergewaltigung verantwortlich seien, seien immer noch nicht gefasst. Die österreichische Produzentin des Films, Barbara Albert, ergänzte: «Ich hoffe, wir werden durch den Film weiter am Frieden arbeiten können und das Tabuthema Vergewaltigung an die Öffentlichkeit bringen.» (tso/dpa)

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