Zeitung Heute : Auto-Akademie für China

Die Deutsche Universität für Weiterbildung entwickelt ein MBA-Programm für Führungskräfte von Mercedes-Benz China.

Ortrun Huber
Auf Tour in China: Mercedes Benz betreibt in Peking als Kooperation mit der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) die Carl Benz Academy, an der Spitzennachwuchskräfte ein spezielles Masterprogramm absolvieren können. Foto: Daimler
Auf Tour in China: Mercedes Benz betreibt in Peking als Kooperation mit der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) die Carl...

Man schrieb das Jahr 2009, als der Durchbruch gelang. Erstmals wurden in China mehr Autos verkauft als in irgendeinem anderen Staat der Welt – ein Wunderland für die Automobilbranche. Auch deutsche Autobauer freuen sich seit Jahren über enorme Wachstumsraten; sie verzeichnen heute in China einen Marktanteil von fast 20 Prozent. Der dynamische Automobilmarkt stellt die ausländischen Hersteller im Reich der Mitte aber auch vor Probleme. Nicht nur die lokalen Produktionsstätten müssen ausgebaut werden, auch das Händlernetz muss expandieren. Nachwuchsmanager müssen gewonnen und Führungskräfte ausgebildet werden. Personalentwicklung ist in China mittlerweile ein Standortfaktor. Für den Autobauer Mercedes-Benz in China Grund genug, dort in den Nachwuchs zu investieren und eine Weiterbildungsakademie zu gründen. Nach rund zweijähriger Vorbereitung bietet die Carl Benz Academy in Peking nun Spitzennachwuchskräften aus den Reihen der Mercedes-Benz-Händlerorganisation in China ein spezielles Masterprogramm für Führungskräfte an. Entscheidend an der Programmentwicklung beteiligt und Vermittlerin des akademischen Knowhow ist die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) in Berlin, die den Absolventen auch den akademischen Grad „Master of Business Administration“ verleiht.

Die erste staatlich anerkannte Weiterbildungsuniversität in Deutschland, die je zur Hälfte von der Freien Universität Berlin und der Klett Gruppe getragen wird, bietet hierzulande seit 2009 weiterbildende Masterstudiengänge an. Das Besondere daran: Das DUW-Angebot richtet sich an berufstätige Akademiker, die sich berufsbegleitend in einem Fernstudium weiterbilden wollen. Neben den Studienangeboten aus Wirtschaft und Management, Bildung, Gesundheit und Kommunikation forschen die Wissenschaftler an der DUW in ihren Fachdisziplinen und verbinden dies mit Elementen der Grundlagenforschung zur akademischen Weiterbildung.

Die Kooperation der Deutschen Universität für Weiterbildung mit Mercedes-Benz China fügt sich ein in das internationale Engagement der DUW, die bereits mit Partnern in Finnland, der Türkei und der Schweiz zusammenarbeitet. „Wir stützen uns in diesem Kooperationsprojekt auf die langjährige strategische Partnerschaft der Freien Universität Berlin mit der Universität Peking“, erklärt Udo Thelen, Kanzler der DUW. „Es gibt zwischen beiden Universitäten eine Vielzahl wissenschaftlicher Projekte, und es gibt vor allem eine große gegenseitige Achtung und stabiles Vertrauen“, erläutert Christian Schröter, Vize-Präsident von Mercedes-Benz China. Da die Stuttgarter Autobauer eine deutsche Universität als Projektpartner für ihre Akademie in Peking suchten, empfahl der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt, die „Tochter“ DUW mit ihrer besonderen Expertise im Bereich der berufsbegleitenden Weiterbildung. „Mit unserem Schwerpunkt im Management und unserer Blended-Learning-Kompetenz unterstützen wir Mercedes-Benz dabei, Talente zu entwickeln und den Führungskräftenachwuchs für den Zukunftsmarkt China zu fördern“, sagt die Präsidentin der DUW, Professorin Ada Pellert. Mit Blended Learning bezeichnen Weiterbildungsexperten eine Kombination aus Selbststudium, Online-Lehreinheiten und Präsenzseminaren, die ein Studium neben der normalen Berufstätigkeit überhaupt erst ermöglicht.

Die Studieninhalte des berufsbegleitenden MBA-Programms der Carl Benz Academy sind auf die Bedürfnisse des Automobilmarktes und insbesondere auf die Belange der Mercedes-Benz-Händlerorganisation in China abgestimmt. 35 Mitarbeitern finanziert der Konzern das Studium. Diese Stipendiaten des ersten MBA-Jahrgangs werden im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit ihren Professoren die Inhalte des Programms festlegen. „Im Studium sollen in erster Linie Probleme aus dem Berufsalltag der Teilnehmer behandelt und für konkrete Herausforderungen Lösungsansätze aus der Wissenschaft vermittelt werden“, erklärt DUW-Präsidentin Pellert. Die Qualität des Studiums wird von einem mit Wissenschaftlern aus mehreren Ländern besetzten Hochschulkonsortium gewährleistet. Die DUW organisiert das MBA-Programm der Carl Benz Academy gemeinsam mit der renommierten Guanghua School of Management der Peking University und der ebenfalls international angesehenen School of Business der Woodbury University in Los Angeles.

Für die Präsenzphasen des Studiums reisen die chinesischen Studierenden von Peking aus deshalb auch nach Kalifornien und nach Berlin. So können sie die drei größten Automärkte der Welt – China, USA, Deutschland – vor Ort analysieren und dabei lernen, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken.

Noch ist das exzellente, auf drei Jahre angelegte Führungskräfte-Programm der Carl Benz Academy in Peking nur Teilnehmern aus den Reihen des Mercedes-Benz-Händlernetzwerkes in China zugänglich. Vor ihrer Aufnahme mussten die Bewerber ein anspruchsvolles, von einer wissenschaftlichen Kommission organisiertes Auswahlverfahren absolvieren. Langfristig will Mercedes-Benz seine Weiterbildungseinrichtung in Peking aber „allen Talenten öffnen, die sich für das große Gebiet der Mobilität interessieren“, sagt Christian Schröter, Vize-Präsident von Mercedes-Benz China. DUW-Kanzler Udo Thelen ist sich sicher: „Der nächste Jahrgang wird deutlich mehr als 35 Studierende aufnehmen“.

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