Autokrise : Opel will eigenständig werden

Der Rettungsplan für den maroden Autobauer Opel sieht eine Trennung vom Mutterkonzern General Motors vor. Auch die Beschäftigten sollen Milliarden sparen helfen.

Henrik Mortsiefer
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Ein Plan für Opel. Hans Demant, Vorsitzender der Opel-Geschäftsführung, nach der Krisensitzung des Aufsichtsrates mit dem Konzept,...

Berlin/RüsselsheimBerlin/Rüsselsheim - Der Autohersteller Opel will sich von seinem US-Mutterkonzern General Motors (GM) abkoppeln. Das Management sieht die Zukunft des Autobauers in einer rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit, wie aus dem am Freitag im Aufsichtsrat der Adam Opel GmbH vorgelegten Rettungsplan hervorgeht. Der Aufsichtsratsvorsitzende und GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte in Rüsselsheim, die Bundesregierung sei bereits informiert. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) begrüßte, dass nun ein Konzept vorliege. An diesem Samstag will Guttenberg mit den Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten beraten. Neben Hessen (Rüsselsheim), Thüringen (Eisenach) und Nordrhein-Westfalen (Bochum) ist dies auch Rheinland-Pfalz (Kaiserslautern). Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte am Freitag: „Das ist ein wichtiger Schritt für Opel in Deutschland.“ Von „grünem Licht“ für staatliche Hilfen könne aber noch nicht gesprochen werden. Dafür sei vom Opel-Plan bislang zu wenig bekannt.

„GM hat sich nach 80 Jahren Zugehörigkeit bereit erklärt, Anteile an Opel zu verkaufen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Management und Beschäftigte wollen Bund und Länder mit dem Rettungskonzept zu milliardenschweren Staatshilfen bewegen. Opel braucht nach Forsters Angaben europaweit 3,3 Milliarden Euro frisches Kapital, das bis 2014 oder 2015 an die öffentliche Hand zurückgezahlt werden solle.

Staatliche Finanzhilfen für Opel müssten von der EU-Kommission genehmigt werden. EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte dem Tagesspiegel, klar sei, „dass die europäischen Binnenmarkt- und Wettbewerbsregeln beachtet werden müssen“. Dazu brauche Deutschland das grüne Licht der Kommission. Bei einer Genehmigung „würde es sehr auf die konkreten Umstände ankommen“, sagte Verheugen. Mit Opel werden sich an diesem Sonntag auch die Staats- und Regierungschefs beim EU- Sondergipfel in Brüssel befassen.

Auf die Opel-Beschäftigten kommen größere Sparmaßnahmen zu. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen sollten aber vermieden werden, erklärten Forster und Betriebsratschef Franz. Forster sprach aber von einem „nicht unerheblichen Sparbeitrag“ in einer Größenordnung von umgerechnet 950 Millionen Euro. Es müsse über Lohn- und Gehaltsverzichte sowie freiwillige Abfindungsmaßnahmen gesprochen, Überkapazitäten müssten abgebaut werden. Opel beschäftigt in Deutschland mehr als 25 000 Mitarbeiter. „Es ist nicht daran gedacht, einzelne Standorte herauszulösen“, sagte Franz. Sollte ein anderer Hersteller Interesse an Standorten zeigen, werde dies jedoch geprüft, schränkte Forster ein. Laut Medienberichten hat Daimler Interesse am Werk in Eisenach. Die neue europäische Opel-Gruppe mit den Marken Opel, Saab und Vauxhall soll Investoren grundsätzlich offenstehen. mit ame/brö

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