AUTORINNEN ÜBER AUTORINNEN„Dünn ist die Decke der Zivilisation“ : Luftschloss mit Bodenhaftung

Kerstin Roose

Lässt sich mit der Frage nach einem „spezifisch weiblichen Schreiben“ eigentlich noch mehr als ein müdes Lächeln provozieren? Manchmal schon. Zum Beispiel, wenn man sie so erfrischend unaufdringlich stellt wie die Anthologie „Dünn ist die Decke der Zivilisation“.

Die Herausgeberin Maike Stein, Jahrgang 1969, ist Mitbegründerin der Veranstaltungsreihe „Das Land der Dichterinnen und Denkerinnen“ sowie der Autorinnenvereinigung. Beides soll Autorinnen eine Plattform bieten, um „miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Verbindungen für ihre Arbeit zu knüpfen“. Das klingt nach einer durchaus fruchtbaren Form von „female networking“, die sowohl intellektuelle als auch profane ökonomische Ströme zum Fließen bringen will. Zumindest ersterer Gedanke liegt auch der Anthologie zugrunde.

Sie versammelt Porträts von Schriftstellerinnen über Schriftstellerinnen, die vielgestaltig zwischen Fiktion und Realität schweben. Wo Lisa-Marie Dickreiter (Foto) sehr persönliche Lektüreerfahrungen mit Kvxta Legátová schildert, trifft Cornelia Saxe auf Ulrike Draesner und bekommt bei Rotwein vom Gut der Droste-Hülshoff einen Einblick in den Arbeitsalltag der Autorin. Anders bei Sabine Adler oder Maike Stein: Während die eine in einen imaginären Dialog mit Christa Wolf tritt, schreibt sich die andere in die Romanwelt Irmtraud Morgners ein. So spannen die Texte einen abwechslungsreichen Bogen zwischen literarischer Spurensuche und Selbstvergewisserung. Und bleiben dabei selbst gänzlich entspannt. Kerstin Roose

Literaturwerkstatt Berlin, Mi 26.3., 20 Uhr,

5 €, erm. 3 €

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