Zeitung Heute : Autoverwertung: Ein neues Leben für alte Kabel

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Prospektoren späterer Generationen werden vielleicht einmal jubeln, wenn sie auf der Suche nach Kupfer auf eine Deponie aus unseren Tagen stoßen. Denn dort locken wahre Schätze. Sie stammen unter anderem aus den Resten der Autoverwertung. Denn noch immer werden dort große Mengen von Kabelbäumen aus Altfahrzeugen deponiert. Ihre Hauptbestandteile sind die kupfernen Adern innen und die sie umgebende Isolierung aus PVC. Doch schon bald dürften die Mengen deponierter Kabelbäume sinken. Denn bei Delphi, einem der größten Zulieferer für die Automobilindustrie weltweit, hat man jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Kabel komplett von ihrer PVC-Isolierung trennen lassen können - und das unter Rückgewinnung des gesamten PVC-Materials, das als hochwertiges Rezyklat zurück in den Materialkreislauf gelangt.

Erprobt und perfektioniert hat Delphi diese Technik bei seinen in großen Mengen anfallenden Produktionsrückständen. Aus diesen Leitungssatzresten werden derzeit schon 400 Tonnen PVC-Rezyklat jährlich erzeugt. Dieses Verfahren lässt sich nicht nur für Produktionsrückstände, sondern auch in der Altautoverwertung einsetzen.

Delphi bringt die Kabel mit der PVC-Isolierung in ein Lösemittel, das gezielt und ausschließlich PVC aufweicht. Damit lässt sich die Isolierung komplett von den Kupferdrähten entfernen. Die dabei entstehende Lösung wird anschließend aufgearbeitet. Dabei gewinnt man zum einen das Lösemittel für neue Einsätze und zum anderen pulverförmiges PVC zurück. Einziger Nachteil für dieses qualitativ hochwertige Material ist seine Farbe. Denn dieses PVC ist grau, da es aus Isolierungen aller Farben gewonnen wurde. Deshalb lässt es sich nur für dunkle Kabel einsetzen. Doch das ist nicht sehr schlimm, da die Hälfte des Kabelbaums sowieso eine braune oder schwarze Isolierung haben, die sich problemlos aus dem PVC-Rezyklat herstellen lässt.

Auf diesem Weg gelangen nicht nur erhebliche PVC-Mengen in den Stoffkreislauf zurück und reduzieren das bislang deponierte Material. Denn auch die vom PVC befreiten Kupferkabel lassen sich nun leichter weiterverarbeiten und werden künftig keine neuen Kupferadern für künftige Generationen in den Deponien werden.

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