Zeitung Heute : Backen im Minutentakt

„Mr. Chocolate“: Genuss aus der Mikrowelle

Sybille Nitsche
Einfaches Vergnügen. Zu dem neu entwickelten Pulver muss lediglich Wasser hinzugefügt werden – schon ist der Schokokuchen fertig. Foto: TU Presse/Dahl
Einfaches Vergnügen. Zu dem neu entwickelten Pulver muss lediglich Wasser hinzugefügt werden – schon ist der Schokokuchen fertig....Foto: Ulrich Dahl/Technische Universit

Für diesen Schokoladenkuchen braucht es weder frische Eier noch Butter, lediglich Wasser muss zur Backmischung aus Vollkornmehl und Rapsölpulver zugegeben werden. Singles können sich freuen, denn gebacken werden kann er dann wohlportioniert in einer Tasse in der Mikrowelle. Entwickelt haben die Leckerei Gunnar Bosse, Ramona Danz und Raphael Naring, drei Studierende der Lebensmittelwissenschaften am Fachgebiet Lebensmittelbiotechnologie und -prozesstechnik.

Ihr Küchelchen war der Liebling beim europäischen Studentenwettbewerb für innovative Lebensmittel „Trophelia“ im Herbst vergangenen Jahres in Paris. Dort gewann „Mr. Chocolate“, so heißt der Drei-Minuten-Kuchen, den ersten Preis und 8000 Euro. Wie er zubereitet wird und wie er schmeckt, können Besucher während der Langen Nacht der Wissenschaften am 28. Mai im Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude erfahren. Dort stellt das Team „Mr. Chocolate“ vor.

Doch die drei sind nicht die einzigen, die während ihres Studiums an der TU Berlin an neuen und gesunden Lebensmitteln geforscht haben und dabei von Henry Jäger, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter am Fachgebiet, betreut worden sind. Zu ihnen gehören auch Christine Tschirpka und Kristin Sebastian. Ihnen gelang es, mit einem veganen Brotaufstrich bis in den nationalen Endausscheid von „Trophelia“ zu kommen.

Das Innovative ihres Produktes ist, dass es im Gegensatz zu herkömmlichen pflanzlichen Brotaufstrichen ohne Hefe, Sonnenblumenöl und das allergene Soja auskommt. Zudem wollten die Erfinderinnen den Beweis antreten, dass es zum klassischen Mett aus Schweinefleisch geschmacklich auch eine vegetarische beziehungsweise vegane Alternative gibt. Denn die Lebensmittel, die sie entwickeln wollen, sollen nicht nur gesund sein, sondern auch das Kriterium der Nachhaltigkeit erfüllen. Das heißt für die beiden vor allem, jenseits der Massentierhaltung nach Produktionsmöglichkeiten für schmackhafte Nahrungsmittel zu suchen.

Die Zutaten für den Brotaufstrich sind gepuffter Vollkornreis und Tomaten, alles aus kontrolliert biologischem Anbau. Der Anspruch der Nachhaltigkeit beschränkt sich bei Christine Tschirpka und Kristin Sebastian aber nicht nur auf die Lebensmittelzutaten. Auch beim Produktionsprozess und der Verpackung haben sie sich von diesem Prinzip leiten lassen. „Die Herstellung des Aufstrichs ist unaufwendig. Es werden keine hochwertig veredelten Lebensmittel benötigt, sodass der Energiebedarf gering ist. Alle Zutaten sind in Europa zu bekommen, und abgefüllt wird die Masse in Gläsern“, erläutert Christine Tschirpka. Besonders ist der vegane Brotaufstrich übrigens noch aus einem anderen Grund: Er ist nämlich mehr als das. Für eine Bolognese eignet er sich ebenso wie für einen Bratling. Ein kleiner Alleskönner also.

Zur Teilnahme an dem Studentenwettbewerb füllten sich die beiden Nachwuchsforscherinnen auch deshalb herausgefordert, weil es nicht nur darum ging, ein Lebensmittel zu kreieren. Vielmehr sollte der gesamte Prozess der Produktentwicklung von der Herstellung über die Kostenkalkulation bis hin zur Marktanalyse und dem Marketing gezeigt werden.

„Im Seminar ‚Grundlagen der Produktentwicklung’ habe ich das Rüstzeug vermittelt bekommen“, sagt Kristin Sebastian, die ihr Studium wie Christine Tschirpka mittlerweile beendet hat und auch auf Jobsuche ist. An ihrem Studium schätzen sie besonders die breite interdisziplinäre Ausbildung. Was sie ein wenig vermissen, waren über das Fach hinausgehende Aspekte wie ethische Fragen in der heutigen Lebensmittelindustrie, die schließlich in der Gesellschaft durchaus intensiv diskutiert würden, sagen die beiden Frauen.

Die Präsentation von „Mr. Chocolate“ während der Langen Nacht der Wissenschaften an der TU Berlin gehört zum diesjährigen Schwerpunktthema Gesundheit, mit dem die TU-Wissenschaftler an diesem Abend Besucher anlocken wollen. Die vorgestellten Themen reichen von der Materialforschung bei medizinischen Implantaten und dem Entwurf von modularen Krankenstationen für Dritte-Welt-Länder über Schluckhilfen und den Einsatz von Therapierobotern nach einem Schlaganfall bis hin zur Spielsuchtprävention und den Zusammenhang von Philosophie und Gesundheit. Angeboten werden zudem Wellness-Shiatsu-Massagen, und auf dem Vorplatz des Hauses der Ideen „wartet“ eine begehbare Aorta auf Neugierige.

Gesundheitsforschung an der TU Berlin, Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, und auf dem Severingelände, Dovestraße 6, ab 17.00 Uhr

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