Bad TV : Aus Gründen der Volksfürsorge

Joachim Huber

Es ist einer dieser unheimlichen Geheimpläne, von denen nur der Tagesspiegel erfahren hat. Die deutschen Fernsehsender, private und öffentlich-rechtliche, planen die Gründung von „Bad TV“. Aufgestachelt von der Bundesregierung, die bereits in den nächsten Wochen „Bad Banks“ ins Werk setzen will. Damit sollen sich die Banken von den eminent gefährlichen, den „toxischen Papieren“ entlasten können. Die Bundesregierung will mit dieser Initiative den stockenden Geldkreislauf wieder beleben. Die Fernsehsender wiederum möchten mit dem eigenen „Bad TV“ jeglichem staatlichen Eingriff zuvorkommen. Sie befürchten eine Bevormundung, genauer: Der Staat bestimmt, mit welcher Niveaudosis die Zuschauer vom Fernsehschirm bestrahlt werden sollen, damit die Hirntätigkeit wieder in Gang kommt. Noch ehe Experten aus dem Kulturstaatsministerium von Bernd Neumann (CDU) die „faulen Programme“ übernehmen könnten, haben ARD über RTL bis ZDF in Blitzesschnelle die „Selbstkontrolle Fernsehen“ (SF) gegründet. Der Medienredaktion dieser Zeitung wurde gestern eine erste SF-Liste unter der Tür durchgeschoben. Teilnehmer berichten von nie da gewesenen Niveaudiskussionen, ehe das Papier senderübergreifend abgesegnet werden konnte.

Und das sind die ersten zehn Sendungen für das angekündigte „Bad TV“: „Das Frühlings-, das Sommer-, das Herbst- und das Winterfest der Volksmusik“ inklusive Florian Silbereisen (ARD), „Leute heute“ (ZDF), Ermittler- Dokus (Sat 1), „TV total“ (Pro 7), Zuschauergewinnspiele (alle Sender), „Die Oliver-Geissen-Show“ (RTL), „Spongebob“ (Nick/Super RTL), der „Tagesthemen-Strömungsfilm“ (ARD), Kochshows mit Johann Lafer & Horst Lichter (alle Sender), „Tuning-Alarm! Jo motzt auf“ (DMAX).

„Bad TV“ wird aus Gründen der Volksfürsorge nur als Abofernsehen ausgestrahlt. Es bekommt einen 37-stelligen Code, die Gebühren werden abschreckend hoch sein. Die Einnahmen sollen die aufgerissenen Lücken in den betroffenen Programmen stopfen helfen. Anders als die Banken wollen die Sender ja auf staatliche Hilfe verzichten. Deswegen auch wurde die Idee einer TV-spezifischen Abwrackprämie – RTL verzichtet beispielsweise zehn Jahre lang auf Mario Barth und kassiert dafür 2,5 Millionen Euro pro Woche – verworfen. „Bad TV“ soll aussehen wie ein normales Fernsehprogramm und eine kraftvolle Erkennungsmelodie bekommen: Michael Jacksons „Bad“. „You know I’m bad I’m bad you know it you know.“ Und Frank Elstner rappt dazu. Joachim Huber

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