Zeitung Heute : Baden wie in Bad Sulza

Der Tagesspiegel

Das neue Tempodrom ist seit bald einem Vierteljahr bekannt, sein markantes Spitzendach gehört schon zum Stadtbild. Zum Parteitag der Grünen waren die Spitzen grün angestrahlt, was auch im Fernsehen bundesweit gut ankam. Zum neuen Tempodrom am Anhalter Bahnhof gehört aber auch etwas, das man dem Zeltbau mit kulturellem Anspruch gar nicht zutraut und das bei den Tempodrom-Vorgängern undenkbar gewesen wäre: ein öffentliches Schwimmbad.

Zur Eröffnung des Neubaus war es noch nicht fertig, nun aber ist es vollendet, zumindest fast. Am Freitag sollte eigentlich der Badebetrieb beginnen, aber es gibt wohl noch technische Tücken. Die Gäste der „Liquidrom Therme Berlin“ müssen vermutlich noch eine Woche länger aufs Eintauchen warten. Einfach „Schwimmbad“ zu sagen, wäre für die Betreiber, die „Toskana-Betriebsgesellschaft“ eine Beleidigung. Denn so etwas wie bald am Anhalter Bahnhof ist ganz neu für Berlin, orientiert sich am Vorbild der Toskana-Therme im thüringischen Bad Sulza. Das Liquidrom, dritte „Bühne“ unterm Zeltdach, soll mit „ozeanischem Musik-Erleben in der Schwerelosigkeit“ auch diejenigen interessieren, die in Schwimmbädern eher selten anzutreffen sind. Baden in Licht und Musik, Kunst in körperwarmen, salzhaltigem Wasser zu genießen, das regt Fantasie und Sinne an, meinen die Betreiber. Und wer sich je in Bad Sulza im warmen Wasser suhlte und meditative Klänge hörte, mag zumindest eine wohlige Schläfrigkeit bestätigen. Dazu gibt es ein „Liquid Sound-Konzept“, das der Medienkünstler Micky Remann entwickelte und das sich auch in Berlin bewähren soll. Heute nun hätte die Presse schon mal vorab baden gehen und einem Unterwasserkonzert mit Gert Anklam und Beate Gatscha an der Wasserstichorgel lauschen können, das ist nun verschoben.

Baden gegangen wäre fast auch die schon traditionelle Tempodrom-Veranstaltung „Heimatklänge“, weil die öffentlichen Zuschüsse gestrichen werden sollten. Tempodrom-Chefin Irene Moessinger aber sagte gestern, dass der Kultursenator doch noch 125 000 Euro beisteuern wolle, rund ein Drittel des Budgets. Auch der Veranstalter Piranha bestätigte, dass es die Heimatklänge wieder geben wird: Als „Heiratsklänge“ vom 19. Juli bis zum 11. August. C. v .L.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben