Zeitung Heute : Bären-Auslese

Die alten Symbole kommen langsam in die Jahre – manchmal stürzen sie sogar von selbst ein wie die Kongreßhalle. Immerhin gibt es zwei Pandas aus Fernost und U-Bahn-Anschluss für Spandau

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2. April 1976

Piratensender entdeckt

Die Polizei konnte am Mittwochabend kurz vor dem Ende einer angekündigten Sendung den Sender ausfindig machen, der sich in den vergangenen Wochen unter dem Namen „Piratensender unfreies Westberlin“ gemeldet hatte. Die polizeiliche Staatsschutzabteilung peilte in Zusammenarbeit mit der Funkbetriebszentrale und der Bundespost den Sender mit Beginn der Sendung um 18 Uhr an.

23. Dezember 1976

DDR weist

Lothar Loewe aus

Dem Fernsehkorrespondenten der ARD in Ost-Berlin, Lothar Loewe, ist gestern vom DDR-Außenministerium die Akkreditierung entzogen worden. Loewe, dem unter anderem eine „Diffamierung des Volkes und der Regierung der DDR“ vorgeworfen wurde, muß Ost-Berlin binnen 48 Stunden verlassen.

16. Oktober 1977

Ein Freizeitheim

für die Türken

Im tiefsten Kreuzberg, dort, wo die Läden einen schwachen Duft von Basar haben, wo hinter den Schaufenstern ganze Hammel hängen, wo fast alle Frauen Kopftücher und einen Rock und lange Hosen tragen, wo Deutsch zur Fremd- und Türkisch zur Umgangssprache geworden ist – in der Adalbertstraße 23a steht das „Türkdanis“, Berlins einziges „Freizeitheim für türkische Mitbürger“. Innen ist das „Türkdanis“ reinlich, aufgeräumt, in seiner Ordentlichkeit nur wenig heimeliger als eine Amtsstube.

16. März 1978

Bombenanschlag auf U-Bahnhof vereitelt

In buchstäblich letzter Minute konnte am Dienstagabend ein von Terroristen geplanter Bombenanschlag im U-Bahnhof Kleistpark durch die Aufmerksamkeit eines BVG-Angestellten und den Einsatz eines Spezialisten der Polizei verhindert werden. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Polizei vermutet sie in linksradikalen Kreisen, die schon Anschläge auf BVG-Einrichtungen verübt haben.

3. September 1979

Acht Neonazis verurteilt

Zu Freiheitsstrafen zwischen 4 und 14 Monaten, zum Teil ohne Bewährung, verurteilte gestern die Zweite Große Strafkammer acht Neonazis zwischen 21 und 40 Jahren. Fünf Angeklagte müssen zusätzliche eine Geldbuße, die jeweils zwischen 300 und 600 Mark liegt, an die Aktion Sühnezeichen zahlen. Einen Angeklagten sprach das Gericht frei. Der Entscheidung lagen mehrere Vorfälle zugrunde. Vier Angeklagte hatten im Juli 1977 an der Siegessäule eine Hakenkreuzfahne gehißt und dann die Presse verständigt.

30. Januar 1980

Und wieder wird

ein Haus besetzt

In ein aus Sicherheitsgründen vom Eigentümer gesperrtes Gewerbegebäude am Leuschnerdamm 37/39 in Kreuzberg sind in der Nacht zu gestern etwa 20 Personen eingedrungen und haben das Gebäude für besetzt erklärt. Eigentümer vom 1. Februar an wird die städtische Berliner Wohn- und Geschäftshaus GmbH (BeWoGe) sein. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden zwischen ihr und dem Voreigentümer getroffen, bis eine Untersuchung der baulichen Beschaffenheit Aufschluß über Instandsetzungsmöglichkeiten oder Abrißerfordernisse gebe.

22. Mai 1980

Kongreßhalle teilweise eingestürzt

Die 1957 gebaute Kongreßhalle in Tiergarten ist gestern vormittag gegen elf Uhr in ihrer weitgeschwungenen 110 Meter langen Dachkonstruktion an ihrer Vorderfront eingestürzt. Die 600 Tonnen schweren Betonteile stürzten auf die Eingangsfront und das Foyer, zerstörten die Freitreppe und begruben vier parkende Autos unter sich. Fünf Personen wurden verletzt, unter ihnen zwei Journalisten des Senders Freies Berlin, von denen einer in Lebensgefahr schwebt.

5. November 1980

Zwei Pandabären

für den Zoo

Die beiden chinesischen Pandas trafen gestern nachmittag in Berlin ein. Sie waren am Vortag mit einer Linienmaschine der Lufthansa in Peking abgeflogen. In Frankfurt wurden die Tiere in eine „Herkules“-Maschine der amerikanischen Luftwaffe umgeladen. Nach insgesamt 27 Flugstunden trafen die Bären dann mit dreistündiger Verspätung in Tempelhof kurz vor 14 Uhr ein. Dort wurde den prominenten „Neu-Berlinern“ ein großer Empfang bereitet. „Welcome to Berlin, Panda-Bears“ stand auf einer großen Leuchttafel vor dem Hauptgebäude. Im dichten Gedränge von etwa 50 Journalisten begrüßten der amerikanische Stadtkommandant, General Benedict, und Zoodirektor Klös mit einem Strauß roter Rosen die Begleiter der Pandas, ein Berliner Zooteam und drei chinesische Betreuer.

16. Januar 1981

Dietrich Stobbe

wirft das Handtuch

Der Regierende Bürgermeister Stobbe hat gestern abend kurz nach 19 Uhr vor dem Berliner Abgeordnetenhaus seinen Rücktritt und den des gesamten Senats erklärt. Parlamentspräsident Lummer bat ihn und die zurückgetretenen Senatoren, ihre Amtsgeschäfte bis zur Neubesetzung dieser Ämter weiter auszuüben. Der Rücktritt erfolgte, nachdem Stobbe mit seinem Konzept für eine Senatsumbildung am Nachmittag im Abgeordnetenhaus gescheitert war. Bei der erforderlich gewordenen Senatorenwahl fielen alle vier SPD-Kandidaten durch.

2. Juni 1981

Weizsäcker-Senat wird gewählt

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat gestern in seiner konstituierenden Sitzung nach den vorgezogenen Neuwahlen vom 10. Mai den CDU-Landesvorsitzenden von Weizsäcker und seine elf Senatoren gewählt. In der geheimen Einzelabstimmung des Abgeordnetenhauses, dem erstmals neun Abgeordnete der Alternativen Liste als Fraktion angehören, erhielt Weizsäcker von den vollzählig anwesenden 132 Abgeordneten 69 Stimmen.

22. August 1981

Erster Blick in die neue Schaubühne

Im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Weizsäcker und des Bausenators Rastemborski wurde gestern das neue Domizil der bislang am Halleschen Ufer residierenden Schaubühne von Wissenschafts- und Kultursenator Kewenig dem Schaubühnen-Ensemble übergeben. Wie Kewenig auf einer aus diesem Anlaß einberufenen Pressekonferenz betonte, handelt es sich allerdings nur um eine symbolische Übergabe, denn die bautechnische Übergabe des für Theaterzwecke umgebauten Mendelsohn-Baus am Lehniner Platz stehe noch aus.

23. September 1981

Ein Toter bei Hausbesetzer-Demo

Entsprechend seiner Ankündigung hat der Berliner Senat gestern acht besetzte Häuser in Schöneberg, Kreuzberg, Wedding und Charlottenburg durch die Polizei räumen lassen. Während es bei der Zwangsräumung zu keinen wesentlichen Zwischenfällen kam, entwickelten sich vor allem am Winterfeldtplatz und in der Bülowstraße in Schöneberg schwere Auseinandersetzungen zwischen Sympathiesanten der Hausbesetzer und der Polizei. In der Potsdamer Straße Ecke Bülowstraße kam es im Verlauf der gewalttätigen Demonstrationen zu einem tödlichen Unfall. Ein 18jähriger maskierter Westdeutscher, der nach Angaben der Polizei mit anderen einen Bus der BVG mit Steinen beworfen hatte, wurde von diesem erfaßt und mitgeschleift. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen.

11. Juni 1982

Präsident Reagan besucht Berlin

Der amerikanische Präsident Reagan wird heute gegen 10 Uhr zu seinem angekündigten Besuch nach Berlin kommen, der etwa vier Stunden dauern wird. Der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker hat gestern vor dem Abgeordnetenhaus den Präsidenten der USA in Berlin willkommen geheißen und vor allem das Engagement der amerikanischen Schutzmacht zur Erhaltung der Freiheit der Stadt gewürdigt. Weizsäcker machte in seiner Erklärung deutlich, daß gegen gewalttätige Aktionen im Zusammenhang mit dem Reagan-Besuch vorgegangen werde.

31. August 1983

Todessprung

eines Asylbewerbers

Der türkische Asylbewerber Kemal Altun hat sich gestern früh durch seinen Sprung aus dem sechsten Stock des Verwaltungsgerichts in der Hardenbergstraße das Leben genommen. Unmittelbar vor Beginn des zweiten Prozeßtages, an dem erneut über den Asylantrag des 23jährigen Mannes verhandelt werden sollte, lief Altun auf ein nur wenige Meter von ihm entferntes geöffnetes Fenster des Gerichtssaales zu und stürzte sich ohne zu zögern in die Tiefe.

17. Dezember 1983

Eberhard Diepgen wird nominiert

Der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Eberhard Diepgen soll neuer Regierender Bürgermeister werden. Der Landesausschuß der Berliner CDU nominierte ihn gestern abend zum Nachfolger von Weizsäcker in diesem Amt. Diepgen setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen seine Mitbewerberin, die Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien, durch. In geheimer Abstimmung entfielen auf den 42jährigen Juristen 62 von 100 Delegierten-Stimmen, auf Frau Laurien 37. Eine Stimme war ungültig. Die Entscheidung fiel in einer überraschend kurzen, nur 70 Minuten dauernden vertraulichen Sitzung des „Kleinen Parteitages“.

24. Juli 1984

Bubi Scholz erschießt seine Frau

Gustav „Bubi“ Scholz, einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Boxer, steht unter dem Verdacht, seine Frau Helga erschossen zu haben. Gestern früh wurde er in seiner Charlottenburger Wohnung festgenommen. Seine 49jährige Frau war kurz zuvor in einer von innen verriegelten Gäste-Toilette mit einer tödlichen Schußverletzung am Kopf aufgefunden worden. Nach ersten Ermittlungen der Polizei ist sie mit einem Schuß durch die geschlossene Tür getötet worden.

2. Oktober 1984

Spandau erhält U-Bahn-Anschluß

Mit einem großen Volksfest, das noch eine Woche fortgesetzt wird, feierte Spandau gestern den Anschluß an das U-Bahn-Netz der Stadt, auf den die Havelstädter seit fast 80 Jahren gewartet hatten. Zu den Eröffnungsgästen der 4,6 Kilometer langen Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 vom Rohrdamm bis zum Rathaus Spandau gehörte am Nachmittag auch Bundeskanzler Kohl, der sich die Strecke mit den neuen Bahnhöfen zeigen ließ, die insgesamt 680 Millionen DM gekostet hat.

26. April 1985

Die Buga

kommt nach Britz

Die sonnengelbe Blume vor der stilisierten Funkturm-Silhouette kündigt es überall auf flatternden Fahnen und auf Verkehrshinweisschildern an: Heute beginnt nach 10jähriger Vorbereitungszeit die Bundesgartenschau, kurz Buga genannt. Um 9 Uhr wird der dafür angelegte Park in Britz, der erste dieser Größenordnung, der nach dem Krieg entstanden ist, mit einem Rundgang des Bundespräsidenten eröffnet.

2. Oktober 1985

Berlin erhält

Erdgas aus Sibirien

Als energiepolitischen Meilenstein würdigte der Regierende Bürgermeister Diepgen gestern den Anschluß West-Berlins an das euro-sibirische Erdgasnetz. Bei einer Feier in der Übernahmestation für das Erdgas in Buckow sagte Diepgen, der Bezug des Gases aus der Sowjetunion habe auch einen Wert für das Ost-West-Verhältnis. Solche Geschäfte führten zu politischen Klimaverbesserungen. Der Erdgashandel sei ein Beispiel für mögliche Entwicklungen auch auf anderen Gebieten.

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