Baghdad : Neuer Anschlag im Irak

UN-Botschafter rechnet aber nicht mit Bürgerkrieg.

Berlin/Bagdad - Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Montag mindestens sieben Menschen getötet worden. Der Attentäter sprengte sich in seinem Auto vor dem Innenministerium in die Luft, wie die Polizei mitteilte. Mehr als 30 Menschen erlitten Verletzungen. Unter den Toten sind fünf Polizisten. Aus Sicherheitskreisen verlautete, der Attentäter habe das Innenministerium vermutlich deshalb angegriffen, weil er seine Wut über den jüngst erlassenen Haftbefehl gegen den sunnitischen Vize-Präsidenten Tarek al Haschemi zum Ausdruck bringen wollte.

In der irakischen Regierung tobt seit dem Abzug der letzten US-Kampftruppen vor wenigen Tagen ein Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al Maliki beschuldigte Haschemi, mit Todesschwadronen zusammengearbeitet und Anschläge in Auftrag gegeben zu haben. Der Vizepräsident weist die Anschuldigungen zurück und hält sich in der halbautonomen Kurdenregion im Norden des Landes auf. Haschemi warnte angesichts der Mordvorwürfe gegen ihn vor einem Bürgerkrieg. Der Streit hat den ölreichen Golfstaat in eine schwere Krise gestürzt. Unter Führung der USA hatten sich die Religionsgruppen eigentlich auf eine Machtteilung geeinigt.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, der deutsche Diplomat Martin Kobler, sagte dem Tagesspiegel, er erwarte „nicht, dass es zu einem Bürgerkrieg kommt“. Es gebe aber „eine politische Blockade im Irak. Das Land steht vor großen Sicherheitsproblemen. Das haben die Anschläge gezeigt“. Kobler sagte weiter, er sei weder optimistisch noch pessimistisch. „Ich bin realistisch und bewerte die Fakten. Der Irak verfügt heute über Sicherheitskräfte, deren Zustand weit besser ist als noch vor wenigen Jahren.“ hmt/dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar