Zeitung Heute : Bahn erhöht Gewinn und Preise

Konzern verbucht kurz vor dem Börsengang Plus von 1,4 Milliarden / Details zu neuen Tarifen im September

Carsten Brönstrup[Frankfurt am Main]

Die Deutsche Bahn wird zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember die Preise für Reisen im Fernverkehr anheben. Der genaue Umfang werde Anfang September bekannt gegeben, sagte Konzern-Chef Hartmut Mehdorn am Montag in Frankfurt am Main. Nach Informationen der „Financial Times Deuschland“ sollen die Preise um 3,2 Prozent steigen. Zur Begründung verwies Mehdorn auf die gestiegenen Energiepreise und die zweistelligen Tarifabschlüsse mit den Gewerkschaften. „Preisexplosionen wie bei anderen Verkehrsträgern wird es allerdings bei der Bahn nicht geben“, versicherte der Manager und verwies auf die Kerosinzuschläge der Fluggesellschaften und die gestiegenen Benzinpreise.

Seit Anfang 2006 wird dies das vierte Mal sein, dass Fahrkarten teurer werden. Zuletzt hatte die Bahn Ende 2007 die Preise erhöht, damals um durchschnittlich 2,9 Prozent. Im Vergleich zu Schienenkonzernen im Ausland liege die Bahn damit „am unteren Ende“, sagte Mehdorn. Die neue Runde wird für ICE- und IC-Züge gelten sowie für Regionalzüge außerhalb von Verkehrsverbünden. Ob auch Fahrten innerhalb von Berlin und Brandenburg teurer werden, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Dies werde womöglich der Aufsichtsrat Ende September diskutieren. Eine Preiserhöhung noch in diesem Jahr oder zum 1.1.2009 sei aber „definitiv ausgeschlossen“, sagte der Sprecher.

Wenige Wochen vor der geplanten Erstnotierung der Bahn an der Börse berichtete Mehdorn von einem deutlich gestiegenen Gewinn im ersten Halbjahr. Er kletterte um 6,8 Prozent auf 1,4 Milliarden, der Umsatz erhöhte sich um 8,2 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro. „Noch nie sind so viele Menschen mit den Zügen der Bahn gefahren, und noch nie wurden so viele Güter auf der Schiene transportiert“, sagte Mehdorn. „Voraussichtlich im Herbst“ wolle man 24,9 Prozent der Güter- und Personenverkehrstochter an Investoren verkaufen.

Der Verkehrsclub Deutschland kritisierte, der Preisschritt sei „ das falsche Signal“. Seit 1994 sei die Verkehrsleistung im Fernverkehr nicht gestiegen. Angesichts des hohen Bezinpreises steige aber die Bereitschaft zum Umstieg. Fritz Kuhn, Fraktionschef der Grünen, warf Mehdorn vor, er wolle mit einem „dreisten Griff in die Taschen der Fahrgäste die DB für renditehungrige Investoren noch lukrativer machen“. Zugleich würden im Fernverkehr Verbindungen gestrichen.

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