Zeitung Heute : Bahn will es so genau nicht wissen

Der Tagesspiegel

Neuruppin. Vor einer „Re–Verstaatlichung unternehmerischer Risiken“ bei der Ausschreibung von Leistungen im Nahverkehr der Bahn hat gestern Bahnvorstand Ulrich Homburg in Neuruppin gewarnt. Die Bedingungen seien von den Verwaltungen häufig bis ins Detail vorgegeben, so dass es für die Bewerber keine unternehmerischen Spielräume mehr gebe. Entscheidend seien dann am Ende nur noch die Personalkosten. Und da liegt die Bahn 20 bis 30 Prozent über dem Niveau ihrer privaten Konkurrenten. In Brandenburg läuft, wie berichtet, derzeit eine Ausschreibung für vier Strecken östlich von Berlin. Weitere Ausschreibungen sollen in den nächsten Jahren folgen. Die erste Runde 1997 hatte die Bahn gewonnen.

Mit Ruhm hat sie sich danach allerdings nicht bekleckert. Auf der Linie RE 6 (Berlin-Charlottenburg – Neuruppin/Rheinsberg) hat sie die versprochenen neuen Fahrzeuge erst mit einer jahrelangen Verspätung einsetzen können. Die Industrie hatte störanfällige Züge geliefert. Der letzte von 30 bestellten Triebwagen soll nun im April eintreffen. Wegen angeblicher Mängel an den Gleisanlagen stellte die Bahn außerdem vorübergehend gegen den Willen des Landes den Schienenverkehr zwischen Belzig und Brandenburg ein. Dies sei aber vom Bereich Netz veranlasst worden und hätte jeden möglichen Betreiber getroffen, sagte Homburg.

Wenn die auftraggebenden Länder den Bewerbern mehr Spielraum ließen, könnten Kosten gesenkt werden, lockt der Bahnvorstand. Die Betreiber des Schienenverkehrs müssten auch veranlasst werden, zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen. Dies sei nicht nur privaten Unternehmen, sondern auch der Bahn in der Vergangenheit durch den Einsatz neuer Züge und durch attraktivere Fahrpläne gelungen.

Bis 2003 will die Bahn weitere 53 Doppelstockwagen für zusammen 56 Millionen Euro beschaffen, die zum Teil von Brandenburg mitfinanziert werden. Auf der RE 6 will die Bahn am Wochenende und im Berufsverkehr in Zukunft zwei Triebwagen als Doppelgarnitur einsetzen, um allen Fahrgästen einen Sitzplatz anbieten zu können. Zudem gibt es dann auch mehr Platz für Fahrräder.

Ferner will die Bahn in mehreren Stufen bis 2006 den Ausbau der RE 6 über Neuruppin hinaus bis Wittenberge fortsetzen. Dafür sind nach Angaben von Regionalnetzleiter Thomas Helmecke 77 Millionen Euro veranschlagt. Klaus Kurpjuweit

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