Zeitung Heute : Bahnhof auf Wanderschaft

Für 20 Millionen Euro werden die Bahnsteige der S-Bahn näher zum U-Bahnhof gelegt. Für ein Dach auf voller Länge reicht das Geld aber nicht. Es war im Vorfeld der Arbeiten durch einen Streit verschwendet worden

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Von Klaus Kurpjuweit Lange wurde um ihn gestritten, jetzt wird gebaut, und vielleicht wird er sogar am Ende doch noch pünktlich zur FußballWeltmeisterschaft im nächsten Sommer fertig – der neue S-Bahnhof Charlottenburg. Mit ihm verkürzen sich die Wege vom Bahnsteig zur Wilmersdorfer Straße um knapp 200 Meter. Etwa 20 Millionen Euro werden die Arbeiten kosten. Länger auf sich warten lässt wohl die geplante Grünanlage, die als Ersatz für gefällte Bäume auf dem Stuttgarter Platz entstehen soll.

Schon lange wollten Planer die Wege zwischen dem S-Bahnhof Charlottenburg und der U-Bahn-Station Wilmersdorfer Straße verkürzen. Beim Bau der U-Bahn in den 70er Jahren hatte man sich keine Mühe gemacht, die Stationen auf kurzen Wegen zu verbinden. Die nach alliiertem Recht auch im Westteil der Stadt von der Reichsbahn der DDR betriebene S-Bahn wurde damals ignoriert.

Erst als die S-Bahn von 1984 an im Westteil der Stadt unter der Obhut der BVG fuhr, machte man sich wieder Gedanken, wie S- und U-Bahn besser verknüpft werden könnten. Jetzt sollten die Bahnsteige der S-Bahn Richtung Wilmersdorfer Straße „wandern“, ohne sie aber zu erreichen. Denn die Planer der S-Bahn wollten auch im neuen Bahnhof zwei Bahnsteige wie bei der alten Anlage behalten. Dies sei betrieblich notwendig, um in kurzen Abständen fahren zu können und um Fahrten in Charlottenburg beginnen und enden zu lassen, argumentierten sie. Weil dafür aber an der Wilmersdorfer Straße der Platz fehlt, liegen die beiden neuen Bahnsteige nun 78 Meter vom U-Bahnhof entfernt.

Damit rechtfertige der Nutzen nicht den Aufwand, hatten die Grünen im Vorfeld moniert und die Position einer Bürgerinitiative unterstützt, die sich gegen den Bau von zwei Bahnsteigen gewehrt hatte. Hätte es nur einen Bahnsteig gegeben, hätte dieser direkt über der Wilmersdorfer Straße gebaut werden können. Und man hätte weniger Bäume fällen müssen.

Doch die S-Bahn setzte sich durch. Trotzdem rückten die Bauarbeiter nicht gleich an. Am 24. Februar 2003 sperrte die S-Bahn wie geplant den Abschnitt vom Zoologischen Garten bis Charlottenburg, um dort die Gleise erneuern zu können. Gleichzeitig sollten die Arbeiten für die „Umklappung“ des Bahnhofs beginnen.

Doch nun stritten sich die Bahn und der Senat um das Grundstück, auf dem die Grünanlage entstehen soll. Der Senat wollte für die der Bahn gehörende Fläche weniger zahlen als die Bahn forderte. Weil sich die Kontrahenten nicht einigen konnten, rückte der damalige Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) kein Geld für den Bahnhofsumbau heraus. So verzögerten sich die Arbeiten um mehrere Monate. Und sie verteuerten sich erheblich. Statt im Dezember fuhren die S-Bahnen erst wieder im April.

Während hier Geld verschwendet wurde, spart der Senat am Dach der neuen Bahnsteige. Gebaut wird nur die vorgeschriebene Minimalvariante. Auf rund 70 Metern bleiben die Fahrgäste im Regen stehen. Die Mehrkosten durch die Verzögerung waren übrigens höher als die Summe, die ein Dach auf voller Bahnsteiglänge gekostet hätte.

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