Zeitung Heute : Bald ist kein Halten mehr

Protest vergeblich. Bahn lässt Fernzüge ohne Stopp durch Bahnhof Zoo fahren

Klaus Kurpjuweit

Auch rund 100 000 Unterschriften haben nicht gereicht. Sogar der Bundestag wurde eingeschaltet. Vergeblich. Die Bahn bleibt dabei: Vom 28. Mai an werden im Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr halten, sondern ohne Stopp durch die Halle fahren. Fahrgäste aus Charlottenburg müssen dann bis zum neuen Hauptbahnhof fahren, um in einen ICE steigen zu können. Viele befürchten, dass die Attraktivität der gesamten City-West leiden wird.

Die Bahn bricht mit einer alten Tradition. Schon seit 1884 ist der Bahnhof Zoo eine Fernbahnstation. In den 30er Jahren hielten dort sogar die modernsten Schnelltriebwagen der damaligen Reichsbahn wie etwa der „Fliegende Kölner“.

Heute will Bahnchef Hartmut Mehdorn davon nichts mehr wissen. Der Bahnhof Zoo sei als Fernbahnhof immer ein Provisorium gewesen, behauptet er. Dabei ist der Bahnhof seit 1884 Fernbahnstation. Zum provisorischen „Hauptbahnhof“ wurde er erst durch den Mauerbau.

Auch heute, lange nach dem Fall der Mauer, seien die Bahnsteige im Bahnhof Zoo zu voll, argumentiert Mehdorn weiter. Dadurch sei die Sicherheit der Fahrgäste gefährdet. Und schließlich seien die Züge drei oder vier Minuten schneller, wenn sie ohne Halt durch den Bahnhof Zoo fahren. Die Bahn gewinnt so zwar ein wenig an Fahrzeit, die Kunden aus dem Charlottenburger Bereich sind dafür aber 15 bis 20 Minuten länger unterwegs als heute.

Das ist der Bahn egal, denn sie will möglichst viel Verkehr zum Hauptbahnhof lenken. Sie braucht die Fahrgäste dort, damit die neue Superstation einigermaßen voll wird. Der Bahnhof ist – vorläufig – zu groß und – auf Dauer – zu teuer geworden. Der billige Bahnhof Zoo soll nun die Zeche mitbezahlen.

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