Zeitung Heute : „Balkonien“ sollte Nachbarn nicht stinken

Was auf Loggia und Terrasse erlaubt ist.

Mit steigenden Temperaturen geht es in deutschen Siedlungen auf Balkonen und Terrassen wieder etwas lebhafter zu. Nicht alles, was sich dort abspielt, erfreut aber die Nachbarn. Häufig gibt es Streit um Dauergriller, laute Feiern, Tierkäfige, welke Pflanzenreste und Gießwasser, Dudelradios und Fußballübertragungen im TV. Und auch optisch trübt manches die Harmonie auf dem Balkon, sei es der überbordende Wäscheständer oder Nachbars meterhohe Sichtschutzmatten.

Was ist auf dem Balkon erlaubt? „Der Balkon gehört zur Wohnung, deshalb dürfen hier Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufgestellt werden“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Hier darf mit Freunden und Bekannten zusammengesessen, Kaffee getrunken, geredet und gelacht werden.“

Auch Feiern ist erlaubt. Aber: Ab 22 Uhr gilt Nachtruhe. „Dann muss die Feier in die Wohnung verlegt werden“, so Ropertz. Für Stereoanlage, Radio und Fernsehen gilt: Außerhalb der Wohnung dürfen Geräusche nur sehr eingeschränkt zu hören sein. Mittags und nachts darf gar kein Gerät laufen.

Das leidige Thema Grillen: „Prinzipiell ist es erlaubt, im Sommer im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon zu grillen“, erklärt der Brühler Rechtsanwalt Michael Felser. Der Mieterbund weist auf zwei Ausnahmen hin: Ist das Grillen auf Balkon und Terrasse im Mietvertrag ausdrücklich verboten, muss sich der Mieter daran halten. So urteilte das Landgericht Essen (Az.: 10 S 438/01). Wer das Grillverbot missachtet, riskiert eine Abmahnung oder sogar die Kündigung. Auch ohne ausdrückliches Verbot darf nicht gegrillt werden, wenn Rauch in Nachbarwohnungen zieht. „Dies gilt unabhängig davon, ob man Eigentümer, Wohnungseigentümer oder Mieter ist“, stellt Felser klar und warnt: „Wer seine Nachbarn einräuchert, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße rechnen.“ Als unproblematisch gelten Elektro- statt Holzkohlegrills.

Einige Gerichte machten Grillfreunden Vorgaben. Das Landgericht Aachen erlaubte das Grillen nur in der Zeit von 17 bis 22 Uhr, und das nur zweimal im Jahr (Az.: 6 S 2/02). Die Stuttgarter Landrichter gestatteten jährlich drei Grillevents (Az.: 10 T 359/96). Das Amtsgericht Bonn bestand auf Vorankündigung des Grillabends (Az.: 6 C 545/96).

Wer als Mieter von anderen eingeräuchert wird, kann vom Vermieter verlangen, dass der die Belästigungen durch andere Hausbewohner unterbindet. Anders sieht es mit Tabakqualm aus. „Rauchen ist auf dem Balkon genauso erlaubt wie in der Wohnung selbst“, erklärt Mieterbund-Sprecher Ropertz.

Tiere dürfen nur mit nach „Balkonien“, solange von ihnen nicht Lärm und Gestank ausgehen. Da die Mietparteien oft konträre Auffassungen zu der Frage haben, ob die Kaninchenfamilie stark müffelt oder der Graupapagei penetrant krakeelt, kommt es gelegentlich zum Ortstermin: Im Endeffekt herrscht Richterrecht.

Auch Pflanzen genießen auf dem Balkon Asyl, sei es in Kübeln, Kästen oder Töpfen, Kästen auch an der Außenseite, vorausgesetzt, dass letztere gut befestigt sind. Zweite Voraussetzung: Der Mietvertrag verbietet es nicht. Herabfallende Blüten und Blätter muss der Nachbar im Stockwerk tiefer dulden. „Anders, wenn der Balkonbewuchs so umfangreich ist, dass er zu einer erheblichen Belastung wird“, so der Mieterbund.

Wäschetrocknen auf dem Balkon spart Strom und ist gestattet, zumindest die „kleine“ Wäsche. Erlaubt sind Wäscheständer, Wäscheleinen oder Wäschestangen. Teppiche und Hassos Hundedecke tagelang über die Balkonbrüstung zu hängen ist hierzulande dagegen nicht zulässig. Kai Althoetmar

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar