Zeitung Heute : Bankchef kassierte für Einlage 55 Prozent Zinsen

Der Tagesspiegel

Der persönlich haftende Gesellschafter der Weber-Bank, Christian Grün, profitierte in dem für die Bankgesellschaft Berlin so schwierigen Geschäftsjahr 2000 von einem außerordentlichen Geldsegen: 275 000 Euro. Diese Summe erhielt der Manager dafür, dass er der Weber-Bank Mitte desselben Jahres eine Million Euro aus der privaten Schatulle überlassen hatte. Diese „Kapitaleinlage“ wird nach der Satzung der zum Geldhaus-Konzern gehörenden Privatbank entsprechend der Gewinnausschüttung verzinst. Dadurch kam dem Manager im Jahr 2000 ein Bilanz-Manöver innerhalb des Banken-Konzerns zugute, der ihm die üppige Rendite von 55 Prozent auf sein Privatkapital bescherte. In den Jahren zuvor waren die Kapitaleinlagen von persönlich haftenden Gesellschaftern mit etwa der Hälfte dieser Quote belohnt worden.

Dass sich das Füllhorn so weit über Grün öffnete, hat er Finanzminister Hans Eichel sowie der Landesbank Berlin zu verdanken. Eichel hatte die Unternehmenssteuer reformiert und dadurch die Tür zu Steuererstattungen weit geöffnet. Die Landesbank Berlin, zu 90 Prozent an der Weber-Bank beteiligt, ergriff die Chance und erhöhte über kurze Zeit das Eigenkapital der von ihr beherrschten Privatbank. Dadurch musste der Fiskus der Weber-Bank Körperschaftssteuern in Höhe von 15,5 Millionen Euro erstatten. Dieses Geld floss von der Privatbank zur Landesbank in Form einer Gewinnausschüttung. Und von diesem Geldfluss profitierte Grün automatisch mit: Denn die Verzinsung seiner Kapitaleinlage richtet sich nach der Höhe der jährlichen Gewinnausschüttungen.

Ein derart reicher Geldsegen wird daher ein einmaliger Vorgang bleiben. In Bankenkreisen heißt es, dass vor allem die Landesbank Berlin ein großes Interesse an dem Bilanzmanöver gehabt habe. Der Chef der Weber-Bank Grün habe zu dem Zeitpunkt, als er der Privatbank sein privates Kapital überließ, nicht wissen können, dass sich das Füllhorn so weit über ihn öffnen würde: Die Kapitaleinlage von einer Million Euro habe er ein halbes Jahr vor der Einleitung des Bilanz-Manövers erbracht. Im Gegensatz zur Landesbank Berlin, die das kurze Zeit ihrer Tochter überlassene Kapital wieder zurück hat, muss der Chef der Weber-Bank die Einlage mindestens fünf Jahre bei dem Geldhaus liegen lassen. Zudem profitiere die Weberbank ebenfalls von der Einlage ihres Chefs: Denn diese erhöht das Stammkapital, und dadurch kann das Kreditinstitut seine Geschäfte ausweiten.

Die Manager der Weber-Bank erhalten neben den Vorstandbezügen Tantiemen, wenn die Geschäfte des Geldhauses gut laufen. Darüber hinaus können sie ihre Bezüge mit Kapitaleinlagen aufbessern. Allerdings stehen die Weber-Banker auch bei einer Pleite ihres Geldhauses mit einem Teil ihres Vermögens ein. Die Manager der Weber-Bank waren im Zuge um die Bankenaffäre mehrfach in die Schusslinie geraten. Wie berichtet, bewohnt Grün wie der ehemalige Konzernchef Wolfgang Rupf eine Villa im Eigentum der Bankengruppe und ließ diese im Wert von 1,4 Millionen Euro renovieren. ball

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar