Zeitung Heute : Bankenaffäre: Staatsanwälte klagen Aubis-Manager an

Der Tagesspiegel

Von Ralf Schönball

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Aubis-Manager Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold erhoben. Den beiden Untersuchungshäftlingen mit den Gefangenennummern 912/02/5 und 914/02/4 in Moabit wird gemeinschaftlicher sowie versuchter Betrug im Zusammenhang mit dem Erwerb von Plattenbauten vorgeworfen. Nach der Panne bei ihrer ersten Festnahme, die der damals zuständige Richter kurzerhand wieder aufhob, lobte Justizsenatorin Karin Schubert gestern die Anklageerhebung als „Erfolg der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen“.

Es werde zügig ermittelt, sagte die Senatorin. Das Landgericht führt heute um 10.30 Uhr auf Antrag von Wienholds Anwalt eine Haftprüfung durch. Der psychisch angeschlagene Manager hofft auf Haftverschonung.

Die Ermittler werfen Wienhold und Neuling vor, sie hätten bei der Versorgung ihrer ehemaligen Plattenbauten mit Wärme in die eigene Taschen gewirtschaftet. Der Hintergrund: Um Aubis vor der Pleite zu bewahren, hatte die kreditgebende Berlin-Hyp, eine Tochter der landeseigenen Bankgesellschaft, die Plattenbauten übernehmen und selbst bewirtschaften müssen. Dabei musste sie auch in Wärmelieferverträge mit der Firma Elpag einsteigen. Wienhold und Neuling hatten gegenüber den Banken und später vor dem Landgericht Leipzig behauptet, dass die Elpag-Verträge marktgerecht seien und sie selbst nicht mit der Firma wirtschaftlich oder rechtlich verbändelt seien. Dies ist nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unwahr. Die Wärmepreise sollen um rund 15 Millionen Euro überhöht sein. Allein zwischen Januar und September 2000 sei dadurch ein Schaden von 1,6 Millionen Euro entstanden. Ein Teil dieses Geldes ist nach Ermittlungsunterlagen von der Elpag an Firmen der Aubis-Manager zurückgeflossen.

Die abgezweigten Mittel könnten von dem Angeklagten Neuling inzwischen auch ins Ausland transferiert worden sein, heißt es in Justizkreisen. Den Ermittlern zufolge verfügt der Beschuldigte „ über Auslandskontakte und erhebliches Auslandsvermögen“. Daher bestünden „erhebliche Fluchtanreize“, zumal die Angeklagten mit längeren Freiheitsstrafen zu rechnen hätten, und eine Bewährung als ausgeschlossen gilt. Vor diesem Hintergrund muss das Gericht auch die Haftprüfung von Wienhold entscheiden.

Der in Einzelhaft sitzende Manager soll Gerüchten zufolge suizidgefährdet sein. Dem wird in Justizkreisen widersprochen. Jedem, der am Vorabend noch im Hyatt diniert habe und morgens in einer Zelle einsitze, würde dieser „Milieuwechsel“ zu schaffen machen. Wie das Landgericht in der Verhandlung entscheiden wird, sei nicht vorauszusehen.

Der Vorsitzende des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Bankenaffäre, Klaus-Uwe Benneter, erhofft sich von dem im Frühsommer erwarteten Gerichtsverfahren Aufschlüsse darüber, „wer den Aubis-Managern gegenüber so gefällig war und warum.“ Wienhold und Neuling hatten Kredite in Höhe von über 300 Millionen Euro für den Erwerb von Plattenbauten erhalten, obwohl sie kein eigenes Kapital hatten. Zum Zeitpunkt der Kreditvergabe hatte Wienhold dem damaligen Banken-Chef und CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky eine Parteispende über rund 20 000 Euro in bar überreicht. Dies löste die Banken-Affäre aus.

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