BANKENTHRILLER„The International“ von Tom Tykwer : Allein in aller Welt

Christina TilmannD

Als Eröffnungsfilm der Berlinale war er geradezu perfekt: deutsch und international, aktuell und doch voller Hochachtung für die Filmgeschichte, angemessen spannend und nicht zu schlecht. Und gedreht nur wenige Meter vom Berlinale-Palast entfernt im Sony-Center, das auch wieder Festivalort ist. Tom Tykwers Bankenthriller „The International“ ist vor allem: eine Rückkehr des Regisseurs zu seinen Wurzeln. Ein Berlin-Film, wie „Lola rennt“ einer war, und ein Wettlauf gegen die Zeit dazu.

Nur dass sich Berlin inzwischen verändert hat, und der Regisseur auch: Einst die große Nachwuchshoffnung des deutschen Kinos, ist er inzwischen, nach zwei internationalen Produktionen („Heaven“, „Das Parfüm“), im Weltkino angekommen – mit allen Vor- und Nachteilen. Die Vorteile sind vor allem eine größere Lockerheit, was den Umgang mit aufwändigen Sets angeht – so wird das auf dem Babelsberger Studiogelände nachgebaute New Yorker Guggenheim-Museum mal eben in einem Shoot-Out zu Klump geschossen. Und auch sonst geht Tykwer mit Locations äußerst fantasievoll um: Da wird die Wolfsburger Autostadt zur Luxemburger Großbank und das von Zaha Hadid erbaute Phaeno, ebenfalls in Wolfsburg, per Computer an den Gardasee versetzt. Aber auch vor dem Mailänder Hauptbahnhof, in der Blauen Moschee in Istanbul und vor dem neuen Hauptbahnhof und der Alten Nationalgalerie in Berlin durfte gedreht werden – von den spektakulären Locations mit Wiedererkennungswert her kann „The International“ mit James Bond mithalten.

Auf der anderen Seite steht, dass, verglichen mit der Bourne-Trilogie oder den letzten Bond-Filmen, „The International“ etwas geradezu Altmodisches hat. Nicht nur, dass sein Thema, die Machenschaften einer korrupten Bank Anfang der Neunziger, inzwischen von der Wirklichkeit und der globalen Finanzkrise überholt worden ist. Auch was Kamera und Schnitt angeht, bewirken heutige Thriller oft einen ganz anderen Sog. Tykwer-typisch hingegen geht es immer noch um Werte, um die Überzeugungen eines Einzelnen (Clive Owen), der gegen ein ganzes System antritt. Und Armin Mueller-Stahl, der in den „Buddenbrooks“ als Gutmensch nahezu unkenntlich gemacht wurde, darf als stahlgrauer Ex-Stasi-Bösewicht endlich einmal wieder brillieren. Altmodisch aktuell. Christina Tilmann

„The International“, Deutschland/USA 2009, 118 Min., R: Tom Tykwer, D: Clive Owen, Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl

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