Zeitung Heute : Bankgesellschaft Berlin: Nicht mehr Herr im eigenen Hause

Ralf Schönball

Im Mittelpunkt der Turbulenzen um die Bankgesellschaft Berlin (BGB) stehen Immobilien. Die Finanzierung von Immobilien durch die Berlin Hyp erzwingt den Rücktritt von Hyp-Chef Klaus Landowsky im Mai. Zuvor hatten die Millionen-Risiken bei Immobilien-Krediten der Berliner Bank deren Bilanz so verhagelt, dass sie als eigenständiges Kredithaus aus dem Stadtbild verschwand. Vorstand Wolfgang Steinriede musste gehen. Nun also ist von Milliarden-Risiken in den Fonds der BGB die Rede. Echte Risiken? Sicher ist: Die BGB platzierte ihre eigene Zentrale am Alexanderplatz in einen Fonds ihrer Immobilientochter IBV, entlastete dadurch ihre Bilanz und machte dabei zugleich ein gutes Kreditgeschäft. Die Immobilientochter war also auch ein Kapitalbeschaffer.

Das Alexanderhaus von Peter Behrens ist ein wunderbares Gebäude. Es zählt zu den Ikonen der klassischen Moderne, so schön ordentlich gerastert, das Bauprinzip so sauber ablesbar an der Fassade, und die Proportionen... - Fürwahr, ein Kleinod! Schade nur, dass es schon immer etwas teurer war, etwas Besonderes zu besitzen. Und das tut vor allem dann weh, wenn die Kassen leer sind. So oder so ähnlich müssen die Überlegungen bei der Bankgesellschaft gewesen sein, als das sanierungsbedürftige "Alteigentum" nach der Wiedervereinigung an den Konzern zurückfiel. Doch dann besann man sich auf die Stärken des Hauses: auf die Immobilientochter. Und mit ihrer Hilfe ersann man eine Lösung, die die Bilanz nicht weiter strapazierte - sondern im Gegenteil entlastete. Ein genialer Schachzug.

Die IBV war es, die den "Immobilienfonds Alexanderhaus" entwickelte. Der Name steht in dicken Lettern auf dem Prospekt, darunter außerdem: "Architekt Peter Behrens". Den Heftdeckel ziert zudem der Schriftzug: "LBB LandesBank Berlin, ein Unternehmen der Bankgesellschaft Berlin". Das schafft Vertrauen. Vertrauen ist notwendig, um Anleger zu ködern. Das war der Plan: Die Bank wollte ihre eigene Zentrale an Privatleute verkaufen. Die Anleger wird es gefreut haben. Denn wer sein Geld in diesen Fonds investierte, besitzt einen Teil des Alexanderhauses, und seine Rendite hängt von regelmäßigen Überweisungen eines über jeden Zweifel erhabenen Mieters ab: Die Bankgesellschaft wird so schnell keinen Mietzins schuldig bleiben - Krise hin, Krise her.

Aber nicht nur für die Anleger war und ist der Fonds ein gutes Geschäft. Auch für die BGB. Sie bekam nicht nur den Verkaufserlös, sondern verdiente dem Vernehmen nach auch an der Realisierung des Fonds. Indirekt, indem die Fondstochter für ihre Mühen die "weichen Kosten" kassierte. Direkt, denn die Banken der Gruppe vertrieben die Fondsanteile und bekamen Provision. Doch wie viel Kapital teilten die BGB und ihre Fondstochter unter sich auf? Der im Prospekt verzeichnete "Gesamtaufwand netto" beläuft sich auf 315 Millionen Mark. Dem standen Gebäudekosten mit Grunderwerbsteuer von gut 246 Millionen Mark gegenüber. Der Rest, knapp 69 Millionen Mark, kamen den Unternehmen der Bankgesellschaft zugute. Kritelnde Zeitgenossen werden nicht ganz zu Unrecht die Notar- und Gerichtsgebühren (750 000 Mark), die Zwischenfinanzierungskosten (12,85 Millionen) sowie nicht abzugsfähige Umsatzsteuer (854 250 Mark) herausrechnen. Doch sehr viel mehr dürften beim besten Willen nicht auf Konten Dritter geflossen sein. Die Bankgesellschaft und ihre Töchter hätten also 54,55 Millionen Mark für ihre Mühen erhalten.

Natürlich wird dieser Betrag nicht in voller Höhe der Bilanz der Bankgesellschaft zugute gekommen sein. Ein Teil wird auch den Gewinn von deren Immobilientochter erhöht haben. Da aber diese ihre Erlöse der BGB abführen musste, profitierte die Mutter auch auf diesem Wege. Eine zusätzliche direkte Einnahmequelle aus dem Fondsmodell: Die BGB verdiente zusätzlich an der Finanzierung des Projektes. Denn die Anleger steuerten nur einen Teil der Gesamtkosten zum Fonds bei: 141 Millionen Mark. Hinzu kam so genanntes Fremdkapital. Das belief sich auf rund 177 Millionen Mark. Dieses Geld lieh der Mieter des Hauses den Fondseigentümern aus: Eine Bank aus der BGB. Banken verdienen natürlich an den ausgereichten Krediten. Setzt man hier eine minimale Zinsmarge von kargen 0,5 Prozent an, dann verdient die BGB jährlich 885 000 Mark an dem Kredit. Auch das kommt ihrer Bilanz bis heute zugute.

Das Alexanderhaus ist nicht das einzige Bürohaus der BGB-Gruppe, das in dieser Art in Fonds der Immobilientochter platziert wurde. Um wie viele Millionen diese Strategie die BGB-Bilanzen entlastete, bleibt das Geheimnis der Vorstände. Einen Haken hat die Sache allerdings: Jetzt sind die BGB-Banker Mieter, und das kostet. Und das dicke Ende kommt erst noch, wenn die BGB ihre Immobilien von den Fonds zurückkaufen will. Aber vielleicht lassen die BGB-Bilanzen das dann ja wieder zu.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben