Zeitung Heute : Bankjobs auf Reisen

Verlagerungen sollen die Personalkosten senken

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Auch in Bankerkreisen macht in diesen Wochen das Zauberwort „Offshoring“ die Runde. Es bedeutet die Verlagerung von bisher im Inland erledigten Aufgaben in NiedriglohnLänder. Die Deutsche Bank hat’s vorgemacht: Ihre Software wird heute in Indien und Australien entwickelt, das Software-Engineering ist nach Russland gewandert, die Call Center nach Indien, in die USA und auf die Philippinen. Hermann-Josef Lamberti, IT-Vorstand der Deutschen Bank: „Offshoring führt die Outsourcing-Logik konsequent fort. Die faktische Bedrohung inländischer Arbeitsplätze wird diesen globalen Trend nicht stoppen.“

Relativ sicher scheinen nur die Arbeitsplätze hoch qualifizierter Fachleute, denn irgend jemand muss die fleißigen Asiaten schließlich einweisen und steuern. Lamberti: „Offshoring trägt indirekt zur Sicherung qualitativ hochwertiger heimischer Arbeitsplätze bei.“ Stärker noch als beim „Onshoring“, also der Auslagerung (Outsourcing) an einen inländischen Dienstleister, liegt der Fokus bei der Fernreise auf Standardisierung und Verringerung der Personalkosten. Was Ausbildung, Fachwissen und Arbeitseinsatz der Mitarbeiter anbelangt, haben neben den Ländern Osteuropas vor allem Indien, China und die Philippinen stark aufgeholt. Vor allem in Indien wächst eine ganze Generation von IT-Spezialisten heran, die nur einen Bruchteil des Gehaltes ihrer deutschen Kollegen fordern. „Outsourcing kann einen signifikanten Beitrag zur Gesundung der deutschen Banken leisten“, sagt das Schweizer Marktforschungsunternehmen Soreon, die Studie „Sourcing-Strategien für Privatbanken“ (www.soreon.de) habe das bewiesen. Doch werde sich die Personalkosten-Schere zwischen Deutschland und den Offshore-Ländern in den nächsten zehn Jahren schließen. So raten die Marktforscher: „Private Banken sollten das Fenster nutzen, bevor es sich schließt.“ chd

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