Zeitung Heute : Bankrott

Flora Wisdorff

Ein Buch, das birst vor Energie. Pipernos Roman reißt einen vom ersten Satz an mit. Der Erzähler Daniel, Anfang 30, charakterisiert voll Spott seinen Großvater Bepy. Der jüdische Patriarch verhalf der Familie mit seinem Tuchgroßhandel nach dem Zweiten Weltkrieg zum Aufstieg in die römische Schickeria. Piperno, 1972 in Rom geboren, widmet sich zunächst Bepys sexuellen Ausschweifungen mit einer Minderjährigen. Der Großvater will seinen Blasenkrebs nicht operieren lassen – weil er dann „nicht mehr ficken kann“.

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Schonungslos zeichnet Piperno das Bild einer Familie, für die Status alles ist. Die Dominanz von Großvater und Vater hinterlassen bei Daniel deutliche Spuren: Playstation und Satelliten-TV sind seine einzigen Passionen. Über den Holocaust schweigt die Familie, stürzt sich lieber in den Konsumrausch, auch nach dem Bankrott. Später schreibt Daniel ein Buch über den Antisemitismus bei jüdischen Autoren. Mit ausschweifenden Beschreibungen umreißt Piperno seine Figuren zugleich messerscharf: eine Stärke – und zugleich Schwäche – dieses satirischen Familienepos.

Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten. Roman. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. S. Fischer, Frankfurt a. M. 360 Seiten, 18,90 €.

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