Barack Obama : Songs für jedermann

Helmut Schümann

Dass Platon Bob Dylan nicht kannte, liegt auf der Hand. „Vor Neuerungen der Musik muss man sich in Acht nehmen, denn dadurch kommt alles in Gefahr.“ (Platon). „I ain’t gonna work on Maggie’s farm no more.“ (Bob Dylan). Platon hat recht. Als Dylan seinen Song sang, 1965 nämlich erstmals, geriet ja wirklich einiges in Gefahr, zumindest durcheinander, die konservativen Werte zum Beispiel. Dylan war damals ein Sänger des Fortschritts.

Barack Obama hat gerade seinen iPod geoutet. Er hat seine Songliste bekannt gegeben. Man kann, da bei einem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten nichts beiläufig oder grundlos geschieht, davon ausgehen, dass er das gemacht hat, um einen Einblick in sein Innenleben zu geben. In Obamas Innenleben steht „Maggie’s Farm“, der Dylan- Song, ganz oben, und 29 weitere Songs des Meisters auch. Das ist schon okay, man kann Gottvater auch heute noch verehren, selbst wenn der revolutionäre Lack ab ist. Irgendwie gehört Dylan, trotz mancher Verirrungen, immer noch den Linken, Dylan hören heißt siegen lernen, oder so ähnlich.

Damit ist diese Gruppierung für den Wahlkampf musikalisch bedient. Zu Sicherheit und für das alternde anarchische Herz hat Obama noch „Gimme shelter“ von den Stones aufgelegt. „War, children, it’s just a shot away“, das holt die Gegner des Irakkriegs ins Boot, „Love, sister, it’s just a kiss away“, wer will dem widersprechen?

Die weiße Arbeiterklasse, wichtig, wichtig, wenn im November gewählt wird, ist mit ihrem Boss vertreten, Bruce Springsteen persönlich. Für die etwas härtere Jugend hört Obama die Rapper Ludacris und Jay Z, seine dunkelhäutigen Brüder und Schwestern sind mit Miles Davis und Charlie Parker wirklich gut bedient, die Indifferenten bekommen Beyonce, Sheryl Crow, Earth, Wind and Fire und tun niemandem weh, und für Oma und Opa hört Barack Obama Elton John fremd. Fremdhören als Wahlkampfmethode ist ein weites Feld. „Ich habe einen sehr vielseitigen Geschmack“, sagt Obama. Mit einem vielseitigen Geschmack macht man keine Fehler.

Man muss natürlich sagen, dass es ziemlich langweilig aussieht, das musikalische Innenleben Obamas. Die Generation Grunge wird er damit nicht kriegen. Wahrscheinlich will er die nicht, wahrscheinlich will er nur den Mainstream. Oder, um mit Elton John zu singen, Obama ist „Candle in the wind“, richtungslos. Helmut Schümann

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