Zeitung Heute : Barrierefreiheit: Ampel im Netz weist den Weg

Drei, vier Stufen können schon zu viel sein – unüberwindbare Hürden für Rollstuhlfahrer. Oder es gibt zwar eine Rampe am Eingang, aber keine behindertengerechte Toilette. Die Fahrt durch die Stadt ist voller Hindernisse. Das gilt genauso für Eltern mit ihren Kinderwagen wie für ältere Menschen mit Gehhilfen. Eine schnelle Orientierungshilfe bietet seit gut einem Jahr die Internetplattform wheelmap.org. Dort sind über 75 000 öffentliche Einrichtungen in Berlin und sogar weltweit erfasst – Bibliotheken, Schwimmbäder, Postfilialen, Theater. Die Orte werden mit einem einfachen Ampelsystem klassifiziert. Mit der Maus kann man über die Landkarte wandern und einzelne Markierungen anklicken.

Da trägt der „Rote Salon“ als Veranstaltungs- und Clubraum in einem Flügel der Volksbühne ein rotes Fähnchen, weil der Weg über ein enges Treppenhaus ins Innere führt. Der „Grüne Salon“ im gegenüberliegenden Trakt hingegen ist mit einem grünen Fähnchen ausgezeichnet, weil es hier einen Fahrstuhl gibt. Man kann nach Begriffen und Adresse suchen – und weitere Tipps hinzufügen. Es gilt das Prinzip à la Wikipedia: Alle dürfen sich beteiligen; so entsteht eine große Datenbank von Leuten, die sich auskennen. Täglich kommen 100 Hinweise dazu, sagen die Macher, der Berliner Verein „Sozialhelden“. Weil diese Idee so simpel wie genial ist, erhalten die Sozialhelden den Sonderpreis „Sozialinnovation 2011“. Er wird in diesem Jahr als einmalige Auszeichnung verliehen. Die Sozialhelden unter dem Vorsitzenden Raul Krauthausen sind bereits mehrfach für ihre klugen Ideen und wirksamen Projekte ausgezeichnet worden. Bekannt wurden sie etwa mit ihrer Pfandflaschenaktion: Kunden spenden im Supermarkt ihren Pfandbon, der Erlös kommt unter anderem der Berliner Tafel zugute. Anna Pataczek

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