Zeitung Heute : Basteln lassen

Dorothee Nolte

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Es gibt richtig schöne Momente im Leben einer Mutter. Zum Beispiel: Ich reiße die Schranktür auf, und dahinter stehen, laut quietschend vor Aufregung, zwei kleine Kerle, die sich bombensicher versteckt glaubten. Oder: Der Große erklärt dem Kleinen den Playmobil-Hubschrauber, und der Kleine hört so verständnisvoll zu, wie es eben geht, wenn man zehn Wörter kennt. Endlich, denke ich dann. Sie spielen miteinander!

Diese Momente machen mich glücklich. Zum einen, weil sich aus ihnen, wie ich hoffe, eine innige brüderliche Beziehung entwickeln wird. Zum anderen, weil ich mich entlastet fühle. Schon bald, das spüre ich, werde ich im Urlaub auf einem Liegestuhl liegen, total entspannt. „Geht spielen, Jungs“, werde ich sagen und den tobenden, kickenden, kletternden Brüdern hin und wieder huldvoll zuwinken.

Noch fordert der Große zu Recht, dass ich mit ihm bastele, denn er weiß, dass Basteln für die motorische und kognitive Entwicklung eminent wichtig ist. Auch ich befürworte das Basteln theoretisch auf das Nachdrücklichste, praktisch habe ich dazu jedoch weder Lust noch Talent. Meine Bastelbiographie ist geprägt von Fehlschlägen, Frustrationserlebnissen und von Löchern, wo keine hingehören. Ich versuche also das Basteln zu umgehen, wo ich nur kann, schicke das Kind zum Papa.

Entsprechend mulmig wurde mir, als wir kürzlich in der Erfinderwerkstatt der „Weltspielzeug“-Ausstellung im Ethnologischen Museum landeten. Dort können Erwachsene und Kinder aus Abfall aller Art – Papierrollen, Plastikflaschen, Joghurtbechern, Dosen – Spielzeug basteln, so wie es die Kinder in ärmeren Ländern tun. Eine tolle Idee! Aber nichts für Leute wie mich, die gerade mal in der Lage sind, ein Stück Holz aus dem Fenster zu werfen. Zu meiner Erleichterung entdeckte ich eine Betreuerin, der ich mein bastelwütiges Kind in die Hand drückte. Wir gingen dann mit einem Taucher heim, den Timmy gebastelt hatte, mit einer angeklebten Filmrolle als Sauerstoffflasche. Der Kleine wollte das Meisterwerk haben, und es entspann sich ein brüderlicher Kampf, bei dem sogar ein Tropfen Blut floss.

Die Ausstellung "WeltSpielZeug" läuft bis 30. August im Ethnologischen Museum Dahlem, Lansstraße, Eintritt 4 Euro, Kinder bis 16 Jahre frei. www.weltspielzeug.de, Tel. 830 14 38.

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