Zeitung Heute : Bastian Pastewka wünscht frohe Weihnachten und erinnert an Troisdorf-Spich (Interview)

Das war doch schon mal ein guter Anfang. Was w&uum

Bastian Pastewka (27) ist der Shooting-Star der Fernseh-Comedy. Seit 1996 bildet er mit Anke Engelke, Markus Maria Profitlich und Ingolf Lück das Quartett der "Wochenshow" in Sat 1. Brisko Schneider, schwuler Moderator von Sex TV, war bislang Pastewkas Paraderolle. Anfang Dezember startete der Comedian mit "Briskos Jahrhundert Show" seine erste Solosendung, ebenfalls in Sat 1. Ein Gespräch über Laternen, Fertiggerichte und die Kunst, Angst zu überwinden. Die Fragen stellten Thomas Eckert und Joachim Huber.

Guten Tag, ich heiße Bastian Pastewka und wünsche allen, die diese Zeilen lesen, eine gesegnete Weihnacht und ein schönes neues Jahr.

Das war doch schon mal ein guter Anfang. Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Dass alle, die mich kennen, mir was Hübsches basteln. Ich mache das nämlich auch sehr gerne. Aber richtig basteln kann ich leider nicht. Dafür kann ich gnadenlos schlecht zeichnen. Hübsch verpacken kann ich auch nicht. Das macht immer meine Freundin. Ach ja, einen Wunsch noch: Dass wir uns alle im Jahr 2000 noch leiden können.

Ein reichlich frommer Wunsch.

Ja, das wird sicher das Schwierigste überhaupt.

Jetzt haben wir Sie sozusagen in flagranti privat erwischt. Sonst sind Sie, was ihr Privatleben angeht, äußerst zurückhaltend.

Familienleben ist für mich etwas Heiliges. Vielleicht rede ich deshalb nicht so gern darüber. Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, über Privates zu reden. Aber ich arbeite beim Fernsehen, da erlebe ich einfach nichts mehr. Wo wir gerade beim Basteln waren. Immer wenn wir als Kinder Martinslaternen basteln sollten, war das für mich wie ein Gang nach Canossa.

Laternen zu basteln, ist doch eine schöne Sache.

Ja, schon, aber wenn Sie nicht basteln können, dann ist das eine Strafe. Wir mussten mal ein Fachwerkhäuschen aus Holz basteln mit Pappfenstern, vor die wir Krepppapier kleben sollten. Mein Haus ist natürlich sofort abgebrannt, weil die Pappe, kaum hatte ich die Kerze angezündet, sofort Feuer fing. Deshalb bastel ich nichts für Freunde, sondern versuche das Problem mit hübschen Schleifchen zu umgehen.

Aber Sie haben ein Privatleben?

Gestern haben Ingolf Lück, dessen Freundin, meine Freundin und ich eine Weihnachtsgans mit Rotkohl und Maronen verspeist. Das war sehr schön.

Peter Gauweiler hat kürzlich gesagt, für ihn seien Interviews wie Verhöre. Können Sie das nachfühlen?

Wenn jemand mich auffordert, doch bitteschön etwas über Rudi Carrell zu sagen, Hauptsache spaßig, dann graust es mich schon. Ganz nah an der dümmsten aller möglichen Fragen ist: "Bist du immer lustig?". In Hamburg hat mich vor ein paar Tagen eine Rundfunkreporterin aufgefordert, etwas Lustiges zu sagen, irgendetwas, Hauptsache lustig...

Und, haben Sie?

Nein, die Dame musste ohne etwas Lustiges nach Hause gehen.

Muss einem Comedian selbst auf die dümmste Frage immer noch etwas einfallen?

Wenn Sie nichts sagen, dann steht hinterher in der Zeitung, der ist zwar ein Comedian, aber überhaupt nicht lustig.

Mal was anderes. Mögen Sie Grün?

Ja unbedingt. Ich habe zum Beispiel nur grüne und blaue Textmarker, mit denen ich in Zeitungen herummale. Warum, weiß ich auch nicht.

Sie wirken gar nicht so aufgedreht wie im Fernsehen.

Ich sage immer, sind wir doch mit dem froh, was wir erreicht haben. Wir haben doch etwas erreicht: eine Sendung wie die "Wochenshow", die gut läuft, jetzt meine "Jahrhundertshow", die auch gut läuft. Comedy ist nicht irgendein Pillepalle.

Aber Comedian wollten Sie immer schon werden?

Zu Anfang habe ich mir gesagt, diese Comedy-Geschichte machst du nebenbei, du willst ja was Richtiges werden. Ich habe Germanistik, Pädagogik und Soziologie studiert, aber nach dem Grundstudium aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass ich das gar nicht will. Comedy konnte ich und wollte ich. Angefangen haben wir in Troisdorf-Spich bei Bonn, vor 20 Schülerinnen.

Immerhin 20 - und auch noch Schülerinnen.

Sie sagen es. Wir sind herumgetingelt, es war eine gute Zeit, um eigene Sachen auszuprobieren. Wenn damals ein Veranstalter kam und sagte, wir brauchen unbedingt eine Pointe über Helmut Kohl, dann habe ich gesagt, haben wir nicht und machen wir auch nicht. Da war ich kompromisslos.

Und heute?

Wenn ich keine Kompromisse machen würde, könnte das, was ich jetzt mache, doch gar nicht funktionieren. Das würden meine drei lieben Kollegen nicht mitmachen.

Sie bezeichnen sich selbst als Skeptiker.

Ich habe in meinem Elternhaus gelernt, vorsichtig zu sein und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Vorsicht wovor?

Letztendlich vor Menschen. Ich stamme aus einer Familie, in der alle immer ein bisschen ängstlich und zurückhaltend vor Fremden waren. Wir wohnten in einem Einfamilienhaus in Bonn-Ippendorf. Da lernt man was vom Leben. Zum Beispiel achtet man darauf, dem Sportplatz nicht zu nah zu kommen, weil da vielleicht Fußball gespielt wird. Ich konnte nie Fußball spielen. Ich war noch nie in einem Stadion, um mir ein Fußballspiel anzusehen, ich war noch nie in einem Konzert, noch nicht einmal in einem mit klassischer Musik. Ich wollte nie dahin, wo ganz viele waren.

Wie weit geht denn die Prägung Ihrer Jugendtage?

Ich komme zum Beispiel nicht von Fertigessen weg. Bei uns zuhause wurde mittags nie gekocht. Es gab dann immer Miracoli mit eingeschweißtem, geriebenen Parmesan. Ich habe erst vor zwei Jahren von Anke Engelke gelernt, dass es Parmesan auch im Stück gibt.

Ein Stück Heimat aus der Folie.

Ich glaube ja. Der Geschmack alleine kann es nicht sein.

Sie sind 27 Jahre alt. Wie kommen Sie mit Ihrem Erfolg zurecht?

Ich weiß nicht, was der Erfolg mit mir machen wird. Ich habe ja nichts im voraus geplant. Es könnte natürlich sein, dass es mit der Comedy demnächst vorbei ist. Aber ich glaube, dass es immer etwas gibt, was ich machen möchte. Ich kann nicht sagen, dass ich in zehn Jahren einen Bungalow besitzen möchte. Das möchte ich auch nie wollen.

Keine Angst vor der Zukunft?

Ich lebe heute und mache mir keine Gedanken darüber, was in einer fernen Zukunft passieren könnte. Ich habe mich lange Jahre von Ängsten steuern lassen und alles Mögliche vermieden. Ich habe vermieden, ins Flugzeug zu steigen, ich habe vermieden, mich einigermaßen passabel zu kleiden. Das mache ich heute nicht mehr. In meinem Job muss ich unverschämt hemmungslos sein können. Ich glaube, man muss einem Menschen nur die Angst nehmen, um ihn zum Singen zu bringen. Bei mir war es jedenfalls so.

Ihr Ex-Kollege Marco Rima hat die "Wochenshow" verlassen, weil er, wie er sagte, mit weniger mehr erreichen wolle. Sagt Ihnen das etwas?

Ich möchte auch nicht immer nur Rollen spielen, die schweinekomisch sind. Ich muss aber auch nicht, nur weil ich jetzt eben komische Sachen mache, tragische Rollen haben. Ich bin ein großer Fan von Robbie Coltrane, den Darsteller des Polizeipsychologen Fitz. Der ist auf der einen Seite schweinekomisch, weil zynisch, weil verlassen, weil deshalb ernst, weil traurig. Etwas Besseres kann es doch gar nicht geben. Man möchte so sein wie Fitz. Man möchte so klug sein, weil man so dick ist.

Man muss so klug sein müssen, weil man so dick ist?

Richtig. Mit Coltrane kann ich mich identifizieren. Richard Gere zum Beispiel ist unerreichbar schön und erfolgreich. Bei Fitz ist das anders.

Hässlich können wir alle werden?

Wir sind es doch. Auch der eitelste Mensch findet sich ein Stück weit hässlich. Und nebenbei gesagt ist es auch weit schwieriger, hässliche Rollen zu spielen als schöne.

Was finden Sie denn schön?

Alles, was ich erst auf den zweiten Blick erkenne. Habe ich nirgends abgelesen, den Satz, ist mir gerade eingefallen. Muss ich unbedingt der Anke Engelke sagen.

Findet sich der Bastian Pastewka selbst hässlich?

Ja, absolut. Auch wenn viele meiner Freunde das Gegenteil behaupten wollen. Sehen Sie sich mein Doppelkinn an, ich habe eine Plautze und Senkfüsse. Ist das etwa schön?

Offenbaren sich in Ihrer Selbsteinschätzung vielleicht Narben Ihrer Kindheit?

Ich bin ein Opfer grausamster Kindergewalt und war immer ein ausgestossenes Kind. Das fing schon im Kindergarten an. Ich kam ich nie auf die Schaukel, weil die anderen gesagt haben, verpiss dich, hau ab.

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