Zeitung Heute : Bauaktien: Riskantes Investment

pga

Auf der Suche nach Aktien-Schnäppchen in der zweiten Reihe, dem M-Dax, fallen die Bauwerte ins Auge. Sie haben seit Jahresbeginn Gewinne verzeichnet und sind im Vergleich zu den anderen Titeln in diesem Börsensegment relativ günstig bewertet: Heidelberger Zement haben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 6,3, für Dyckerhoff beträgt das KGV auf der Basis der geschätzten Gewinne für 2002 gerade mal 5,3. Zum Vergleich: Banken sind oft mit dem 15 bis 20-fachen ihres Gewinns pro Aktie bewertet.

"Optisch stehen die Werte zwar tief. Einen Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt allein auf Grund der niedrigen Bewertung halte ich aber für gewagt", sagt Eberhard Weinberger, Fondsberater von der Dr. Erhard Kapital AG aus München. "Wenn ein nachhaltiges Aufwärtsmomentum in den Kursen zu sehen ist, ist es für einen Einstieg noch früh genug", meint Weinberger. Springt die Konjunktur aber an, dann dürften frühzyklische Werte - dazu gehören auch Bauaktien - am schnellsten reagieren. Auf diese Karte setzt etwa Heidrun Heutzenröder, die für Adig Investment den Value Fonds Fondak managt. Value Fonds investieren in Titel, die sie für unterbewertet halten. Heutzenröder hat seit einem Jahr Heidelberger Zement, Bilfinger + Berger und Dyckerhoff als aussichtsreiche Kandidaten dieser Branche mit entsprechender Größe in ihren Fonds aufgenommen. Bei guten Nachrichten kann sie sich vorstellen, Bauaktien sogar aufzustocken.

Die WGZ-Bank erinnert in einer Studie über Bauwerte daran, dass sich die Kurse dieser Aktien wie die Temperaturen verhalten: Sie fallen im Winter und steigen im Sommer. Diese Regel allein reicht für WGZ-Analyst Rolf Geck jedoch nicht. Er stuft die Bauaktien auf "untergewichten" ein und hält das Aufwärtspotenzial "für überschaubar". Lediglich Dyckerhoff sieht er langfristig wegen der günstigen Bewertung als "outperformer". Auch Christiane Nestroy, Bauanalystin bei der Hypo-Vereinsbank, äußert sich zurückhaltend. Die Expertin sieht Hochtief oder Bilfinger + Berger im Vergleich zum Dax als "underperformer", Werte also, die sich schlechter als der Dax entwickeln. Die Aussichten für die Branche blieben schlecht. Die Ausgaben von Privaten und der öffentlichen Hand ließen nach - dadurch gehe die Nachfrage zurück. Außerdem gebe es Überkapazitäten und Stellenabbau. Nestroy empfiehlt daher nur risikobewussten Anlegern den Einstieg, die diese Aktien ein bis zwei Jahre ins Depot legen und abwarten können. Gekauft werden sollte nur, wenn in den kommenden zwei bis drei Monaten keine negativen Nachrichten aus der Branche kommen.

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