Zeitung Heute : Bauarbeiten, Bummelzüge

Von Berlin nach Hannover dauert es vorübergehend 40 Minuten länger – aber es gibt viele neue Angebote der Bahn

Viel Brücke für viele Züge. Die Ilmtalbrücke wird die die längste Brücke Thüringens (1681 Meter). Die ICE-Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Berlin kostet zehn Milliarden Euro und soll 2017 fertig sein. Foto: dapd
Viel Brücke für viele Züge. Die Ilmtalbrücke wird die die längste Brücke Thüringens (1681 Meter). Die ICE-Aus- und Neubaustrecke...Foto: dapd

Die Bahn baut – und die schnellen Züge bummeln. Der neue Fahrplan, der vom 12. Dezember an gilt, ist geprägt durch aufwändige Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hannover, die erst am 15. September 1998 eröffnet worden war. Dort ist die so genannte Feste Fahrbahn, bei der die Schienen fest auf einem Betonuntergrund verankert sind, abschnittsweise so marode, dass die Anlagen vom 11. April bis voraussichtlich zum 27. August erneuert werden müssen.

Die Bahn verzichtet auf eine Vollsperrung und baut unter laufendem Betrieb, wobei dann nur ein Gleis genutzt werden kann. Die Fahrtzeit der Züge zwischen Berlin und Hannover, die jetzt rund 1.40 Stunden beträgt, verlängert sich dadurch um rund 40 Minuten. Um außerhalb der Baustelle den üblichen Fahrplan einhalten zu können. verlassen die ICE-Züge Berlin 40 Minuten früher als vor dem Fahrplanwechsel und kommen in der Gegenrichtung hier 40 Minuten später an.

Bereits Ende Januar will die Bahn auch mit Arbeiten an der Strecke Hannover–Bielefeld beginnen. Hier ist dann abschnittsweise ebenfalls nur ein eingleisiger Betrieb möglich, wodurch die ICEs aus Berlin zehn Minuten länger unterwegs sind.

Um den Fahrplan zuverlässig einhalten zu können, werden die ICE-Züge aus Berlin, die aus zwei Einheiten bestehen, in Hamm nicht mehr getrennt, um auf unterschiedlichen Wegen Richtung Köln zu fahren. Die gesamte Zugeinheit fährt in der Bauzeit über Düsseldorf nach Köln. Wer nach Hagen oder Wuppertal will, muss in Hamm umsteigen.

Änderungen gibt es auch bei der Verbindung nach Leipzig und Richtung München. Weil weiter nicht alle ICE-Züge eingesetzt werden können, weil deren Achsen und Räder, die bruchgefährdet sind, ausgetauscht werden müssen, passt die Bahn auch hier den Fahrplan an.

Um schnell in München sein zu können, fahren die ICEs alle zwei Stunden statt über Leipzig über Halle (Saale) in die bayerische Landeshauptstadt. Ebenfalls alle zwei Stunden verkehren die ICEs wie bisher über Leipzig, wodurch sich die Gesamtfahrtzeit verlängert. Um weiter einen Stundentakt zwischen Berlin und Leipzig anbieten zu können, fahren die aus Hamburg kommenden ICEs im Zwei-Stunden-Rhythmus über Berlin hinaus weiter bis Leipzig.

Eingeschränkt wird auch der Fernverkehr Richtung Ostsee. Hier streicht die Bahn Züge aus dem Fahrplan, weil die Nachfrage zu gering sein soll. Die Zahl der IC-Verbindungen Richtung Stralsund/Binz wird von täglich fünf auf zwei reduziert; allerdings hat die Bahn für die Wochenenden zusätzliche IC-Verbindungen zwischen Berlin und Stralsund ins Programm genommen.

Für Fahrten an die Ostsee bleibt den Fahrgästen so meist nur der Regionalverkehr, bei dem keine Plätze reserviert werden können. Vom Frühjahr an sind diese Züge vor allem an Wochenenden zudem häufig überfüllt; Probleme gibt es dann bei der Mitnahme von Fahrrädern. Das Konzept, auf den Strecken an die Ostsee Fahrradwaggons einzusetzen, ist von der Bahn nach einem Probelauf nicht weiter entwickelt worden.

Der Warnemünde-Express aus Berlin fährt bis Ostern nur sonnabends an die Ostsee und sonntags dann zurück, In der Saison gibt es dann wieder sonnabends und sonntags jeweils Hin- und Rückfahrten. Der Usedom-Express startet wieder am 20. Mai, kurz vor dem nächsten Fahrplanwechsel.

Wo die Nachfrage stimmt, lässt die Bahn auch mehr Züge fahren – wie beim Berlin-Warschau-Express. Die Zahl der Verbindungen erhöht sich von drei auf vier am Tag; zudem verkürzt sich die Reisezeit um eine Viertelstunde auf 5.25 Stunden.

Im Regionalverkehr bleibt der Abschnitt Königs Wusterhausen– Lübbenau der Strecke Berlin–Cottbus bis Ende April gesperrt; danach wird der Verkehr für etwa sechs Wochen wegen Bauarbeiten im Bahnhof Königs Wusterhausen unterbrochen. Auf den nächsten großen Fahrplanwechsel im Dezember 2011 können sich die Fahrgäste aber schon freuen: Zwischen Berlin und Cottbus wird sich die Reisezeit erheblich verkürzen, weil die Züge dann auf Tempo 160 beschleunigen können; bisher ist bei 120 km/h Schluss.

Eine zusätzliche Verbindung gibt es ab dem Fahrplanwechsel jetzt nach Stettin. Nachdem der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf der Strecke zwischen Berlin und Stettin im August der Fahrpreis von 16,70 Euro auf zehn Euro gesenkt hat, hat sich die Zahl der Fahrgäste im September auf 4000 vervierfacht. Aber Vorsicht: Im Internet verlangt die Bahn nach wie vor 26,90 Euro für diese Strecke. Klaus Kurpjuweit

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