Zeitung Heute : Bausteine für die Zukunft

Klima, Umwelt, Gesundheit und Soziales: Wie die Technische Universität auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren will

Kurt Kutzler

Die von Menschen verursachte Erwärmung des Weltklimas wirft große Probleme auf. Immer größere Teile der Menschheit drohen ins soziale Abseits zu geraten, abgeschnitten von lebenswichtigen Ressourcen wie Energie, Wasser und sauberer Luft. Alarmierende Szenarien verdeutlichen: Die Menschheit muss schnell handeln, will sie die Katastrophe noch abwenden.

Wirtschaftliches Wachstum darf sich nicht länger auf der Verschmutzung der Umwelt und soziale Ungleichheit gründen. Um Lösungen für die drängenden Probleme anzubieten, sind vor allem die Kompetenzen der Technischen Universitäten in der Entwicklung neuer Technologien gefragt. Diese Zukunftsfähigkeit ist für die Universität selbst von großer Bedeutung, sollten doch ihre Strukturen und Prozesse ein flexibles und qualitativ hochwertiges System für Lehre und Forschung etablieren.

Die Universität muss in die Lage versetzt werden, auf zukünftige Entwicklungen schnell und adäquat zu reagieren. Gerade in Zeiten, die von Reformen im Bildungswesen und knappen Ressourcen geprägt sind, erweist sich das Modell einer Volluniversität als nicht mehr tragfähig. Erforderlich ist eine Umgestaltung der Universität, um neben der Erfüllung der oben genannten Aufgaben auch das inhaltliche Profil deutlich sichtbar machen zu können.

Die TU Berlin befindet sich aktuell in diesem Prozess der konsequenten Schärfung ihres wissenschaftlichen Profils. In ihrer strategischen Planung richtet sie ihren Fokus einerseits auf ihre Kernkompetenzen in den Natur- und Technikwissenschaften, einschließlich der Mathematik – und vergisst dabei nicht, die notwendigen Schnittstellen zu den Geistes- und Sozialwissenschaften zu besetzen.

Zum anderen hat die TU Berlin in ihrem Strukturplan aus dem Jahr 2004 Zukunftsfelder von zentraler gesellschaftlicher Relevanz identifiziert, die im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Profilbildung stehen: Energie, Gestaltung von Lebensräumen, Gesundheit und Ernährung, Information und Kommunikation, Mobilität und Verkehr, Wasser und Wissensmanagement. In diesen Bereichen sollen kompetente Forschungsgruppen und -verbünde innovative Lösungen für die drängenden Probleme entwickeln.

Eine solche Weiterentwicklung der Universität erfordert eine genaue Zielsetzung sowie strategische Planung. Die TU Berlin hat bis dato in verschiedenen Bereichen viele Instrumente zur Qualitätssicherung etabliert. Um die Zukunftsfähigkeit der Universität zu sichern und sie im internationalen Wettbewerb noch sichtbarer zu machen, ist jedoch ein umfassendes Konzept erforderlich. Mit dem Zukunftskonzept wurde eine solche Strategie entwickelt, die der Universität im nächsten Monat vorgestellt wird.

Das Zukunftskonzept setzt sich aus einer umfassenden Strategie zur Qualitätssicherung und vier weiteren Bausteinen zusammen, die allein schon als Einzelinstrumente eine gezielte strukturelle Wirkung entfalten. Sie wurden aus den Ergebnissen einer Analyse der Stärken und Schwächen der TU Berlin abgeleitet.

In ihrer Gesamtheit erfüllen sie die Aufgabe, die Universität in ihrer Funktion als wichtigen Impulsgeber für Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken und sie noch intensiver mit ihrem gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und ökonomischen Umfeld zu vernetzen.

Mit dem Zentrum für Technologieprognosen und Technologiefolgenabschätzung (ZTT) wird die TU Berlin eine Institution schaffen, die die Möglichkeiten des technisch Machbaren auslotet und ihre Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen beobachtet. Zukünftige Bedarfsstrukturen werden abgeleitet und wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll genutzt: TU-intern sollen diese Erkenntnisse Impulse für die Entwicklungsplanung liefern. Extern werden Politiker und Entscheider zu Fragen der Technologieentwicklung kompetent beraten.

Darüber hinaus will die TU Berlin ihre Vernetzung mit Partnern aus Forschung und Industrie weiter verbessern. Innovative Laboratorien (I-Labs) dienen künftig dazu, in ausgewählten Forschungsfeldern den Wissens- und Personaltransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu beschleunigen.

Mit dem Zentrum für Entrepreneurship wird die TU Berlin ihr großes unternehmerisches Potenzial intensiver als bisher ausschöpfen. Dieser Baustein des Zukunftskonzeptes sieht vor, die Absolventinnen und Absolventen der Universität bei Unternehmensgründungen gezielt zu unterstützen.

Die studienbegleitende Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns sowie eine gezielte Ausgründungsberatung sind Teil des Portfolios und werden aus den Anregungen des ZTT und der I-Labs gespeist.

Der vierte Baustein wird dazu beitragen, eine gesellschaftliche Forderung in der Universität zu verankern. Als erste deutsche Universität wird die TU Berlin ein Gender Controlling integrieren, um die verschiedenen Lebenssituationen von Frauen und Männern gleichermaßen zu berücksichtigen.

Es geht darum, das gesamte kreative Potenzial unserer Gesellschaft – das Männer und Frauen gleichermaßen verkörpern – zu erschließen, zu fördern und zu nutzen. Das Gender Controlling wird alle universitären Zielgruppen ansprechen und auf allen Ebenen der Universität entscheidungsrelevant sein.

Das Zukunftskonzept der TU Berlin bündelt mit dem neuen Zentrum für Technologieprognosen und Technologiefolgenabschätzung, mit den „Innovative Laboratories“ und mit dem Zentrum für Entrepreneurship nutzbares Wissen und praktisches Know-how der gesellschaftlichen Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Es sichert mit dem Gender Controlling darüber hinaus das Innovationspotenzial beider Geschlechter.

Der Autor ist Präsident der Technischen Universität Berlin.

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