BBI : Die Jobmaschine kommt in Schwung

Schon heute entstehen durch den Großflughafen neue Stellen – nicht nur auf der Baustelle in Schönefeld.

Tong-Jin Smith

Die Berliner Flughäfen gelten als Jobmotoren – insbesondere BBI. Seit 2006 schaffen die Flughäfen der Hauptstadt im Schnitt zwei Arbeitsplätze pro Tag, so eine im Juni präsentierte Studie. Für Schönefeld bedeutet das eine Steigerung von 9,72 Prozent auf 6328 Mitarbeiter und die Zahl der Off-Airport-Arbeitsplätze ist um 205 Stellen auf 1665 gestiegen, ein Plus von 11,12 Prozent.

„Die neueste Arbeitsstättenerhebung zeigt die enorme Bedeutung der Berliner Flughäfen für die Hauptstadtregion“, sagt Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. „Die Airports sind als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor nicht wegzudenken aus unserer Region.“ Dabei habe die Schließung von Tempelhof keine nachteilige Auswirkung auf die Beschäftigtenzahlen bei den beiden verbliebenen Flughäfen.

Obwohl nach wie vor die Lufthansa der größte Arbeitgeber im Berliner Luftverkehr ist, sorgt vor allem die BBI-Baustelle für neue Arbeitsplätze. Bis zum 1. April 2009 waren es laut Studie genau 2754. Da rund 80 Prozent der Aufträge in der Region vergeben werden, sei das Bauprojekt ein regelrechter Konjunkturmotor für Berlin und Brandenburg, so Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. Mittelständische Unternehmen aus der gesamten Region profitierten davon, sogar aus Cottbus und Frankfurt (Oder).

Aber auch nach seiner Fertigstellung sollte der BBI für neue Arbeitsplätze sorgen. Gerade ist Ende August der Startschuss zur Vermietung der Einzelhandelsflächen im künftigen Terminal gefallen. Die geplanten Dienstleistungszentren, Berlin Business Park und Airport City, sollten ebenfalls neue Jobs generieren.

Rund um den Flughafen machen sich indes vor allem Dienstleitungsunternehmen Gedanken über die Zukunft. „Wir sehen hier natürlich ein enormes Potential für die Region in wirtschaftlicher Hinsicht und stehen mit allen Kräften hinter dem Projekt BBI“, so Rainer Schillo, Geschäftsführer von Trainico. Mit seinem umfangreichen Ausbildungsprogramm für Berufe in der Luftfahrt ist Trainico eine wichtige Schnittstelle für alle, die von einem Job als Flugzeugtechniker oder als Bodenstewardess träumen. Schillo erwartet mit Blick auf BBI aber erst ab 2010 einen steigenden Schulungsbedarf.

Auch für Unternehmen wie die Autovermietung Sixt ist die Suche nach neuen Auszubildenden oder Mitarbeitern noch Zukunftsmusik. Man habe schließlich Stationen an beiden Berliner Flughäfen und könne erstmal auf diese Mitarbeiter zurückgreifen, heißt es von Unternehmensseite. Außerdem seien die Verhandlungen mit BBI über ein neues Büro noch gar nicht abgeschlossen. Ähnlich ergeht es Air Berlin – wie den meisten Airlines: Durch zwei Berliner Standorte sei man so gut aufgestellt, dass in nächster Zeit nicht mit Neuanstellungen zu rechnen sei. „Durch unser Effizienzprogramm müssen wir aber auch nicht auf Kurzarbeit umstellen“, sagt Alexandra Müller von Air Berlin. „Und wir konnten den letzten Jahrgang unserer Azubis komplett übernehmen.“

In der Hotellerie bereitet man sich hingegen schon auf neue Gäste vor. Bereits jetzt könne man Auswirkungen des BBI spüren, so Ruud Zillig, Geschäftsführer des Airporthotels Fontane. „Wir haben vor allem Ingenieure zu Gast, die auf der Baustelle arbeiten“, sagt er. „Aber auch ganze Flugcrews übernachten regelmäßig bei uns.“ Das habe vielleicht noch nicht direkt mit dem BBI, sondern eher mit der Stärkung des Standorts Schönefeld durch die Low-Cost-Airlines zu tun. Aber für die Zukunft erwartet Zillig einen steigenden Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten rund um den neuen Flughafen. „Ich glaube ganz fest an den Standort Berlin-Süd“, sagt der gebürtige Holländer. „Je näher 2011 rückt, desto mehr Auswirkungen wird BBI auch für uns haben.“

Auch im Holiday Inn stellt man sich auf BBI ein. Mit dem Ausbau des Hauses am Airport hofft man ab 2010 auf neue Businessgäste und hat jüngst einen neuen Manager für den Konferenz- und Bankettbereich eingestellt. Alles mit Blick auf BBI. Den hatte bereits 2006 das Schweizer Unternehmen Execujet. „Unser Schicksal ist eng mit dem BBI verknüpft“, sagt Geschäftsführer Andreas Cordes. Das mittelständische Unternehmen, das sich auf Businessflieger spezialisiert hat, ist mit seiner Deutschlandzentrale in Schönefeld ansässig. „Es war eine ganz bewusste Entscheidung“, so Cordes. „Insofern hängen alle unsere rund 40 Arbeitsplätze hier direkt mit BBI zusammen.“ In naher Zukunft rechnet er mit Neueinstellung. Eine gute Nachricht für den Jobmotor BBI.Tong-Jin Smith

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