BBI : Kunst im Anflug

Im neuen Airport wird es Freiräume für Künstler geben – derzeit wird die Ausschreibung vorbereitet.

Tong-Jin Smith
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Herzlich willkommen. In Vancouver werden Flugreisende von „Welcome figures“ begrüßt. Auf dem Londoner Großflughafen Heathrow...

Sie wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis: Die Ausschreibung für „Kunst am Bau BBI“. Eben erst ist ein Koordinator für das Projekt gefunden worden, der in der ersten Ausschreibungsphase bis Ende des Jahres „auf der Basis eines Ideenwettbewerbes zunächst eine Konzeption ‚Kunst am Bau BBI'' unter Einbeziehung der beteiligten Gremien erarbeitet“ – wie es in der Stellenausschreibung heißt.

Die Planung steht also noch vollkommen am Anfang und es darf spekuliert werden, wie das Konzept aussehen wird. Inspiration bieten viele internationale Flughäfen von Incheon über London bis Atlanta und San Francisco. In Berlin hält sich nicht nur der Flughafenbetreiber bedeckt, auch die Künstler sind noch in Lauerstellung. Der eine oder andere fragt sich vielleicht schon, wie er mit dem Raum umgehen würde, um wirkungsvoll Gemälde, Skulpturen oder Installationen zu präsentieren. Aber eine klare Idee kann noch keiner formulieren. Man hält sich mit Vorschlägen zurück. Schließlich könnte man sein Pulver zu früh verschießen und dann nicht mehr zum Wettbewerb eingeladen werden, der im nächsten Jahr stattfinden soll.

„Der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) ist als Tor zur Bundeshauptstadt Visitenkarte Deutschlands. Im Zuge des laufenden Neubauprojektes ist beabsichtigt, bildende Künstlerinnen und Künstler bei der Durchführung der Maßnahmen zu beteiligen“, lautet die Ansage. Nur wie?

Kunst am Bau hat in Deutschland Tradition. Seit Gründung der Bundesrepublik ist Kunst in öffentlichen Gebäuden, ob staatlich oder privat finanziert, zur Normalität geworden. Und da sich über Geschmack streiten lässt, gefällt natürlich nicht jedem alles. Aber das könne man auch nicht erwarten, meint Eva Schweitzer vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Kunst am Bau könne auch zum Nachdenken anregen. So sei das Pferd vor dem Berliner Hauptbahnhof ein Beispiel dafür, wie Kunst polarisieren kann. „Dem einen gefällt es gut, dem anderen gar nicht“, sagt sie.

Kunst im öffentlichen Raum ist weder für den Auftraggeber, noch für den Künstler oder die Künstlerin einfach. „Es ist schon etwas Anderes, wenn das eigene Werk so exponiert ist“, sagt Vera Moosmayer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Dem einen Künstler können solche öffentlichen Projekte zum internationalen Durchbruch verhelfen, andere fühlen sich dagegen von den oft eng gesteckten Rahmenbedingungen eingeschränkt, als würde man ihnen Fesseln anlegen.

„Es ist natürlich immer gut, wenn Ausschreibungen für Kunst am Bau früh stattfinden, damit Künstler und Architekten auf einander eingehen können“, so Leonie Baumann, Geschäftsführerin der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst. „Und Künstler wünschen sich natürlich immer möglichst viel Freiraum. Je später eine Ausschreibung stattfindet, desto weniger Möglichkeiten und Raum haben sie in der Regel.“ Für den BBI kann sie sich verschiedene Konzepte vorstellen. Auch Projekte, die über mehrere Jahre laufen. „Auf der letzten Biennale waren alle so begeistert von den Aufenthaltsräumen und es gab sogar einen Preis für den besten.“ Wenn man am BBI schon früh über Kunst nachdenkt, könne sie auch in der Gesamtgestaltung integriert werden, so Baumann.

Um opulente, raumfüllende Kunstprojekte realisieren zu können, wie etwa am Vancouver International Airport, wo im nächsten Jahr Tausende von Menschen im Rahmen der Olympischen Winterspiele durchgeschleust werden, bedarf es aber einer gewissen Gelassenheit und Selbstverständlichkeit. „Es ist beeindruckend, wenn man nach der Landung zur Passkontrolle geht und per Rolltreppe an einer großen Wandinstallation mit Wasserfall herunterfährt, die repräsentativ für die Haida-Urbevölkerung der Region ist und gleichzeitig als Raumluftbefeuchter für die große Halle dient“, sagt Pilot Jochen Treitel. Toll, sei auch die große Skulptur „Die Seele der Haida-Gwaii“, die als zentraler Blickfang im International Terminal steht und um die man in einem großen Rund auf Holzbänken sitzen kann. Wäre so etwas in der UNESCO Design-City Berlin auch denkbar? Darüber muss sich wohl der Koordinator von „Kunst am Bau BBI“ in den nächsten Wochen und Monaten Gedanken machen.

Im Bundesbauministerium hat sich Ute Chibidziura besonders für das Thema Kunst am BBI eingesetzt und angeregt, dass ein ähnliches Verfahren gemacht wird, wie es bei öffentlichen Gebäuden üblich ist, so Vera Moosmayer. „In diesem Fall ein Wettbewerb. Erst lässt man ein Gesamtkonzept erarbeiten und dann folgt die Realisierung. Die Umsetzung liegt aber allein bei der Flughafengesellschaft.“ Diese hatte sich im Vorfeld auch schon Gedanken über die Verbindung von Kunst mit dem BBI gemacht; der Bund ist für dieses Projekt die oberste Baubehörde. Am Ende entscheidet eine fachkundige Jury, wer den BBI künstlerisch gestalten darf. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Und ginge es nach Leonhard Müller, Vorstandsvorsitzender der Askania AG, müsste es keine Kunst sein. „Nachdem die Zeitzeugen Tempelhof und Tegel verschwinden, wäre eine Zeitreise durch die Fliegerei ein absolutes Muss. Berühmte Flugapparate und eine Bildergalerie berühmter Flugpioniere, Piloten und Hollywoodstars würden dem BBI den Glamour und die Tradition geben, die er nicht hat.“

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