BBI : Namensgeber für den Airport gesucht

Tong-Jin SmithD

Am 30. Oktober 2011 soll es so weit sein: An diesem Tag soll der neue Hauptstadtflughafen offiziell eröffnet werden. Aber wie soll er eigentlich heißen? BBI ist bislang nur der Projektname, als Kürzel habe es auch gar keinen Charme, wie Marketingexperten meinen. Und in der internationalen Luftfahrt gehören die drei Buchstaben BBI bereits der indischen Provinzhauptstadt Bhubaneshwar.

Als sogenannter Area-Code, also das Flughafenkürzel für Ticketbuchungen und Gepäckaufkleber, wird BER wahrscheinlich zum Einsatz kommen. Ganz so wie jetzt TXL für Tegel und SXF für Schönefeld. Aber als Name für den künftigen Berliner Flughafen taugt das auch nicht.

Seit einiger Zeit geistern daher verschiedene Namensvorschläge durch den Blätterwald. So hatte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) „Willy-Brandt-Flughafen“ vorgeschlagen. Sein Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) favorisiert Otto Lilienthal, sozusagen in Memoriam an den Flughafen Tegel, der einst auf den Namen des Flugpioniers getauft wurde. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hingegen hält sich zurück und überlässt die Namensfindung, wie die gesamte Markenbildung, lieber einer Design-Agentur. „Über den künftigen Namen des Flughafens Berlin-Brandenburg International wird der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zu gegebener Zeit entscheiden. Derzeit ist dies noch nicht notwendig“, sagt er. Schließlich müssten sich nicht nur die Länder Berlin und Brandenburg auf einen Namen einigen, auch der Bund habe als BBI-Gesellschafter ein Mitspracherecht – im Gegensatz zu den Bürgern. Das hält aber natürlich niemanden davon ab, eigene Namenswünsche für den Flughafen zu entwickeln. Albert Einstein, Marlene Dietrich und Theodor Heuss werden als Paten häufig genannt – aber auch der allseits beliebte Eisbär Knut. „Ich fände Knutport gut“, sagt ein junger Enthusiast. Model Yvonne Hölzel schlägt dagegen Käthe Kollwitz vor. „Mir würde aber auch Alexander von Humboldt gut gefallen“, sagt sie. Schauspieler Martin Umbach, auch bekannt als die Stimme von Russel Crowe und George Clooney, favorisiert die Chansonsängerin Claire Waldoff. Sie war in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als Berliner Kabarettkönigin bekannt und spezialisierte sich auf Gassenhauer im Berliner Jargon. Waldoff sang so schmissige Zeilen wie „In Tegel, Tegel, gibt''s lockre Vögel...“.

Für den politischen Analysten Martin Menden wäre etwas schlichtes, wie Berlin International Airport, akzeptabel. Zumal das weltweit verständlich sei. Aber insgeheim wünscht er sich, dass der BBI nach dem ersten Piloten der Luftbrücke Jack O. Bennet benannt wird. „Bennet war nicht nur der erste Pilot der Luftbrücke, sondern auch derjenige mit den meisten Einsätzen“, so Menden. „Er hat sich später in Berlin niedergelassen, wo er bis zu seinem Tod 2001 gelebt hat.“

Auch wenn die Namenfindung noch als Zukunftsprojekt betrachtet wird, stehen doch schon einige Leitlinien fest. „Es muss ein Name sein, der international Ausstrahlungskraft hat und der auf einen breiten Konsens in der Region stößt“, sagt Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf. Auch müsse der Name möglichst in allen Sprachen leicht auszusprechen und im Idealfall auf eine Person zurückzuführen sein, die nicht nur in Europa sondern weltweit bekannt ist. Namen mit Umlauten haben daher keine Chancen. Das hält den Bürgermeister Schönefelds, Udo Haase, trotzdem nicht davon ab, auf seine Gemeinde als Namensgeber für den Flughafen zu bauen. „Ich habe nur einen Namen im Kopf: Berlin-Schönefeld“, sagt er. Tong-Jin Smith

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