BBI : Schaut auf diese Stadt!

Flughäfen bieten Ausstellungsflächen en gros: Beispiele aus aller Welt

Tong-Jin Smith
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Schaufenster. Am 9. Dezember 2002 eröffnete Prinz Willem-Alexander, Prinz von Oranien-Nassau, auf dem wichtigsten Flughafen seines...20021209-62

Kunst im Flughafen ist kein neues Konzept. In zahlreichen Abflug- und Ankunftshallen weltweit kann man Kunst in unterschiedlichsten Ausprägungen bewundern. Manchmal werden Künstler direkt von der jeweiligen Flughafengesellschaft beauftragt, die Innenräume kreativ zu gestalten, manchmal werden Kunstwerke von flughafeneigenen Stiftungen gekauft und für die Öffentlichkeit ausgestellt. Einige Airports, vor allem in den USA, haben so im Laufe der Zeit schon beachtliche Sammlungen zusammengetragen. Aber immer häufiger kooperieren Flughäfen mit Museen, staatlichen oder privaten Galerien, um ihren Fluggästen etwas Besonderes zu präsentieren.

Am Flughafen Düsseldorf verwandeln sich etwa regelmäßig die Airport Arkaden in eine Kunstgalerie oder kreative Aktionsfläche. In Zusammenarbeit mit dem Museum Kunst Palast präsentierte der Flughafen gerade diesen Sommer interaktive Einsichten in die Ausstellung „Seitenwechsel“, die einen neuen Blick auf die Sammlung des Museums offenbarte. Seit 2007 kooperiert das Museum mit dem Flughafen.

„Das Museum Kunst Palast möchte Düsseldorf bereits an den Stadttoren als Kunst- und Kulturmetropole positionieren“, sagt Christoph Blume, Sprecher der Flughafengeschäftsführung. „Wo wäre das besser möglich als an einem internationalen Drehkreuz, das täglich mehr als 48 000 Passagiere zählt.“ Zudem herrsche am Flughafen aufgrund seines internationalen Flairs und seiner Rolle als Knotenpunkt eine unverwechselbare Atmosphäre – sie beeinflusse die Wahrnehmung der Menschen, die den Düsseldorfer Airport tagtäglich frequentierten.

In Zürich hatte der Flughafenbetreiber vom Sommer 2005 an für drei Jahre einen kompletten Terminal, den Dock B, zum Eventdock deklariert und für etwa 10 Millionen Franken umbauen lassen. Hier wurde auf einer Fläche von rund 8000 Quadratmetern nicht nur im Winter 2006 eine umfangreiche Marc Chagall Ausstellung gezeigt, sondern im vergangenen Sommer – als Abschluss sozusagen – auch ein Teil der Schau „Shifting Identities – (Schweizer) Kunst heute“ des Kunsthauses Zürich. Aber nicht nur Kunst wurde im Eventdock der Öffentlichkeit präsentiert. Neben verschiedenen Messen fand hier auch 2006 die Erstsemesterfeier der Eidgenossischen Hochschule statt. Das Eventdock machte seinem Namen alle Ehre.

Ganz anders in Amsterdam. Hier hat das Rijksmuseum im Dezember 2002 am Flughafen Schiphol eine permanente Außenstelle eingerichtet. Das sei weltweit einmalig, heißt es von Seiten des Museums. Das Rijksmuseum sei einerseits das einzige Museum auf der Welt, das einen Annex in einem Flughafen habe. Andererseits sei Schiphol der erste Flughafen mit einem eigenen Museum.

Aktuell zeigt das Rijksmuseum Amsterdam Schiphol, wie der Ausstellungsbereich offiziell heißt, eine kleine Werksschau des niederländischen Künstlers Melchior d''Hondecoeter (1636-1695) mit dem Titel „Die Kunst des Fliegens“. Es handelt sich dabei um sieben Vogel-Porträts. Der Künstler habe sie so präzise und lebendig gestaltet, dass man meinen könnte er habe sie per Schnappschuss festgehalten, heißt es in der Ausstellungsankündigung. Zu sehen sind die wertvollen Gemälde noch bis zum 26. Oktober zwischen 7 und 20 Uhr. Der Eintritt zum Museum, das zwischen Abschnitt E und F auf dem Holland Boulevard liegt, ist kostenlos. In mehrmals jährlich wechselnden Ausstellungen zeigt das Flughafenmuseum seit fast sieben Jahren Kunstwerke aus der Sammlung des Rijksmuseums, darunter Bilder von Rembrandt, van Gogh und Mondrian.

Eine Außenstelle am BBI wäre sicher auch für die Staatlichen Museen zu Berlin eine interessante Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und Berlin könnte so seinen Ruf als Kunst- und Kulturmetropole festigen. Tong-Jin Smith

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