Zeitung Heute : Bedrohliche Situation für Reporter

Knapp 90 internationale Journalisten hat das ägyptische Regime in den vergangenen zwei Wochen inhaftiert. Die meisten davon sind zwar wieder freigelassen worden. „Aber die Situation ist immer noch sehr bedrohlich für viele Journalisten, weil die politische Lage völlig instabil ist“, sagt Astrid Frohloff, Geschäftsführerin von „Reporter ohne Grenzen“ (ROG). Zusammen mit anderen Menschenrechtsorganisationen hat ROG für Samstag zu einer Solidaritätskundgebung in Berlin aufgerufen.

„Vor allem amerikanische Reporter sind besonders gefährdet“, sagt Frohloff weiter. Sie macht auch den Westen für die schwierige Menschenrechtslage verantwortlich: „Die westliche Außenpolitik hat in den vergangenen Jahren gegenüber Ägypten, aber auch anderen arabischen Staaten, eine Politik der Doppelmoral betrieben.“ Vor allem habe man auf Stabilität und Sicherheit gesetzt, Menschenrechte wurden dagegen nicht eingefordert. „Die Achtung der Pressefreiheit wurde nie sonderlich wichtig genommen und jetzt kassieren wir die Quittung dafür“, sagt Frohloff. Natürlich sei der Umgang mit Regimen wie in Ägypten ein schwieriger Spagat, „aber es wurden jahrelang die falschen Prioritäten gesetzt“. Zivilgesellschaftliche Kräfte, die es in Ägypten durchaus gegeben habe, seien nie unterstützt worden. Jetzt komme es in Ägypten, aber auch in Tunesien darauf an, Hilfe anzubieten – beim Aufbau einer freien Presse und eines neuen Presserechts. Christian Tretbar

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