Zeitung Heute : Beethoven auf dem Gameboy

Das Kabel hat ausgedient: Bluetooth und Wireless-LANs verbinden Telefon, Computer und HiFi-Anlage

Ole Meiners

Es ist eine dieser endlos langweiligen Autofahrten auf der A2 nach Hannover. Im Radio läuft bloß der beste Mix von gestern und vorgestern. Dabei liegen Stunden wirklich guter Musik auf dem Rücksitz – in Form von MP3-Dateien auf der Laptop-Festplatte. Wann, fragt sich der technisch hochgerüstete und doch frustrierte User auf der Fahrt zur diesjährigen Cebit, wann wächst zusammen, was zusammengehört?

Angekommen auf dem Messegelände in Hannover gibt es auf der Sonderschau zur alles vernetzenden Funktechnologie in Halle 13 erste Antworten: „Bluetooth“ ist das Zauberwort. Im Radius von zehn bis hundert Metern sollen Geräte, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, völlig unkompliziert miteinander kommunizieren – ohne Kabel und ohne Sichtverbindung wie bei Infrarot.

Nokia, Siemens und Sony Ericsson statten bereits seit einigen Monaten ihre Business- Handys mit dieser Technik aus. Mittlerweile sind die ersten kabellosen Headsets ab 120 Euro im Handel erhältlich. Eine Freisprecheinrichtung fürs Auto, die ebenfalls auf das Kabel zum Handy verzichtet, hat Peiker ( www.peiker.de ) im Angebot: Die „Bluetooth Handsfree“ lässt sich über Sprachbefehle steuern. Das hat mit 300 Euro einen stolzen Preis. Dafür funktioniert das Headset aber auch mit jedem Bluetooth-Handy.

Nur fürs Telefonieren allein allerdings ist Bluetooth viel zu schade – warum nicht auch damit spielen? Während die Generation der Eltern seinerzeit im Schulbus bei Skat reizte und ramschte, können schulpflichtige Gamer mit der Spielkonsole „N-Gage“ Lara Croft quer durch die U-Bahn jagen – zum Beispiel zum Gegenüber, der mit seinem kompatiblen Endgerät ins Spiel einsteigen kann. Nokia ( www.nokia.de ) demonstriert mit dieser Spielkonsole à la Gameboy mit 3-D-Grafik, wie die kabellose Technik das digitale Leben verändern wird. Telefonieren und seine Lieblingsmusik hören kann man damit übrigens auch noch. Anstelle von CDs werden auf dem Schulhof MP3-Dateien per Bluetooth ausgetauscht; Daten jeder Art – ob nun Fotos, Hausaufgaben oder Geschäftsberichte – werden so übertragen. Für unter 500 Euro (ohne Kartenvertrag) soll die N-Gage-Konsole von Nokia in den Handel kommen. Und sie wird auf manchem Wunschzettel für Weihnachten ganz oben stehen.

Oder man wünscht sich den „Clié PEG-NZ90“, den aufklappbaren Taschencomputer von Sony ( www.sony.de/clie ) samt eingebauter Zwei-Megapixel-Kamera. Vom Schreibtischcomputer aus werden die Termine, Adressen und Aufgaben per Bluetooth übertragen. Hat das eigene Handy ebenfalls einen Bluetooth-Chip, dann kann man immer dann ins Internet oder E-Mails versenden, wenn auch das Mobiltelefon ins Netz eingebucht ist. Noch ist der Preis unbekannt. Die Vorgängergeräte kosteten aber bereits 650 Euro, billiger wird der neue Clié kaum werden. Kommt noch die Anschaffung eines Bluetooth-Kits für den PC oder das Notebook dazu: Für etwa 40 Euro lassen sich neuere Windows-Rechner und Macs mit einem kleinen USB-Stecker nachrüsten.

Ist der eigene PC bluetooth-fähig, dann kann auch er drahtlos ins Internet: AVM zeigt mit „BlueFritz!AP-X“ einen kleinen Zauberkasten ( www.avm.de/bluefritzapx ), der bis zu sieben Rechner in der ganzen Wohnung und im Garten mit dem Internet-Anschluss versorgen kann.

Ein etwas anderes Konzept verfolgt das Unternehmen DeTeWe ( www.detewe.de ): Die „OpenCom 36lan“ ist nicht nur ISDN-Telefonanlage für Heim und Büro. Sie bietet den Computern auch Anschluss zum schnellen DSL. Mit einer Wireless-LAN-Steckkarte sogar ohne Kabel.

Apple, der innovationsfreudige, aber absatzschwache Computerkonzern aus Cupertino, nennt diese Technik „AirPort“. Auf der Cebit ist Apple, seit 1999 Pionier bei den drahtlosen Netzwerken, allerdings nicht vertreten. Obwohl das Unternehmen mit dem neuen „AirPort Extreme“ ( www.apple.com/de/airport ) durchaus etwas vorzustellen hat: Schon jetzt schickt Apple die Daten mit 54 Megabit pro Sekunde von Gerät zu Gerät. Das ist fünfmal schneller als bei der derzeit vorherrschenden Technik.

Ein MP3-Autoradio mit Bluetooth- oder Wireless-Chip ist auf der diesjährigen Cebit noch nicht zu erwarten. Philips ( www.philips.de ) tröstet aber mit der HiFi-Anlage „Streamium MC-i250“, die per WLAN oder Netzwerkkabel sowohl Internet-Radiosender empfangen als auch die MP3-Dateien im Wohnzimmer zu Gehör bringen kann: Ein Knopfdruck und die Investition von 600 Euro soll genügen.

Hier finden Sie die Aussteller :

AVM, Halle 13, C48; DeTeWe, Halle 13, D58; Nokia, Halle 26, E68/F72; Peiker, Halle 27, F44; Philips, Halle 21, B02; Sony, Halle 2, C02.

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