Zeitung Heute : Begleiter auf dem Weg nach Dubai

Barbara Bierach

Frank Kuechler ist ein netter Mensch, gebildet, liebenswürdig und von erlesenen Umgangsformen. Trotzdem ist er als Hotelgast gefürchtet. Wenn er mit seiner Familie in einem Ferienclub Urlaub macht, geht hinterher schon mal der Bankettchef. In ein Fünf-Sterne-Hotel nach Dubai beispielsweise. Das liegt nicht daran, dass Kuechler einen guten Mann mit seinem Gemecker in die Flucht geschlagen hätte, sondern daran, dass er als Headhunter arbeitet.

Der Geschäftsführende Gesellschafter und Mitbegründer der Lost and Found Personalberatung ist auf die internationale Hotellerie spezialisiert. Kuechler und sein Team vermitteln seit vielen Jahren dienstbare Geister, die aus einem Hotel eine Leihheimat machen. Deswegen weiß der einstige Direktor des feinen „Steigenberger La Canaria“ auch, was in diesem Geschäft gesucht ist.

„Das ist ein Traumberuf“, sagt Kuechler, wenn man der Mensch dafür sei: „Man braucht Vagabundenblut, Kontaktfreudigkeit und Sprachtalent.“ Zurzeit fahndet er allerdings vor allem nach Experten für Marketing, Vertrieb und Verkaufsförderung. „Wenn es da jetzt plötzlich 50 gute Leute regnen würde, wär’ das Leben schön“, seufzt er. „Während viele auch hoch mit Sternen dekorierte Häuser leider beim Personal sparen, das direkt am Gast arbeitet, werden die Verkaufs- und Marketingabteilungen stark ausgebaut.“ Wen wundert’s bei den Überkapazitäten – in Berlin zum Beispiel öffneten im vorletzten Jahr mit dem Ritz Carlton und dem Marriott zwei große Häuser, bald kommen Concorde, Forte und ein weiteres Maritim hinzu. Diese Betten alle zu füllen, wird zunehmend schwierig; nun heißt es eben kräftig trommeln.

Gesucht sind vor allem Verkäufer mit lokalem Know how: Wo sitzt der buchende Kunde? Denn neben den Privatreisenden zählen für Berlin vor allem die Geschäftsleute. Im so genannten Corporate Business kommt es schon fast darauf an, die Assistentinnen beim Namen zu kennen, die für ihre Arbeitgeber und deren Gäste Zimmer buchen. Und fürs Geschäft mit den Touristen „sind in einer weltoffenen Stadt wie Berlin natürlich auch internationale Kenntnisse gefragt“, sagt Kuechler. Die wichtigsten Märkte sind USA und England – wer gute Kontakte zu dortigen Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften mitbringt, ist in deutschen Häusern begehrt. Und gut bezahlt: Ein erfahrender Verkaufsdirektor in einem Fünf-Sterne-Haus mit 300 Zimmern kann 70000 Euro im Jahr verdienen.

Doch die Direktorentitel fallen nicht vom Himmel. Normalerweise geht es für den Nachwuchs nach Ausbildung oder Hotelfachschule zunächst einmal ganz unten los als Verkaufsrepräsentant. Dann gilt, was für alle Jobs im Hotel zutrifft: Hart und lange arbeiten, häufige Standortwechsel nicht scheuen, Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung anhäufen. Zum Beispiel in einem Fünf-Sterne-Haus in Dubai.

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