Zeitung Heute : Bei Arte ist der Kurzfilm Programm

Thomas Steiger

Der Kurzfilm ist Einstand, Fingerübung, Spielplatz, Herzblut – und Stiefkind. Angehende Filmemacher lieben ihn, weil er überschaubar ist. Studenten testen mit Kurzfilmen in der Regel ihre filmhandwerklichen Fähigkeiten. Ein breites Publikum bekommt sie jedoch selten zu sehen. Im Beiprogramm im Kino sind sie längst verschwunden; im Fernsehen finden sich Kurzfilme höchstens im Rahmen anderer Sendungen.

Ziemlich alleine steht da der deutsch-französische Sender Arte, der in der Nacht zu Donnerstag mit der seit 1995 bestehenden Sendung „Kurzschluss“ ein eigenes Kurzfilmmagazin hat, in dem übers Jahr rund 150 Kurzfilme aus aller Welt ausgestrahlt werden. „Wir sehen in den kreativen und originellen Kurzfilmen den unglaublichen Ideenreichtum der Kurzfilmregisseurinnen und Kurzfilmregisseure aber auch die Entwicklung einer eigenen Filmsprache“, begründet Barbara Häbe, Leiterin der Kurzfilmredaktion von Arte, das Engagement. Zusammengetragen wird die Auswahl von den Arte-Redaktionen, die an die Partnersender von Arte angedockt sind. So auch vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, dessen Arte-Redaktion für die Kurzfilmer der Region zuständig ist, aber ihren Blick auch über die Grenze gen Osten richtet. 200 Kurzfilme bekommen Cora Brückmann und Dagmar Mielke im Jahresschnitt auf ihre Schreibtische in Potsdam. Davon kommen höchstens 20 in die engere Wahl für die vier bis fünf Ankäufe, die sie im Jahr aus der Region tätigen können. „Das Nadelöhr ist sehr dünn“, sagt Cora Brückmann zu den Chancen auf Arte ausgestrahlt zu werden. „Ein Film muss nicht nur uns überzeugen, er muss auch vor allem in die Planung und das Konzept der Zentrale in Straßburg passen." Dennoch erhält jeder Filmemacher eine Rückmeldung. „Für den Nachwuchs ist es sehr wichtig, dass er eine Reaktion erhält“, sagt Brückmann, „und wenn wir es nicht machen, wer dann?!"

Mit „Louis Elefantenherz“ von Julia Ziesche hat RBB/Arte in diesem Jahr erstmals einen Kurzfilm koproduziert. Der 15-Minüter ist eine freie Produktion, entstand also nicht an einer Hochschule. Hinzu kommt, dass alle von RBB/Arte angekauften Kurzfilme auch im RBB ausgestrahlt werden dürfen, der zur Berlinale 2006 erstmalig eine lange Kurzfilmnacht veranstaltet hatte. Thomas Steiger

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